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Nimmt mit auf Zugreise: Gusti Pollak.© Patric Spahni
Centre Dürrenmatt Neuchâtel

Zwischenstopp zum Weltruhm

Der Theatermann Gusti Pollak, die BLS und das Centre Dürrenmatt Neuchâtel bieten «eine Reise zu Dürrenmatt». Die Führung beginnt im Zug von Bern nach Neuenburg.

Gusti Pollak, Sie bieten eine Führung durchs Centre Dürrenmatt an, die bereits auf der Anreise ab Bern beginnt. Sind Sie beim Bahnfahren auf die Idee gekommen?
Schön wär’s, aber ganz so war es nicht. Zuerst dachte ich daran, Leute mit dem Car zu einer Führung im Centre Dürrenmatt nach Neuchâtel zu begleiten. Madeleine Betschart, die Leiterin des Centre, schlug aber vor, das doch im Zug zu tun. Ein absolut genialer Einfall. Die Anreise mit der Bahn ermöglicht es, Dürrenmatt zu erfahren – im konkreten wie im übertragenen Sinn.

Sie fahren Dürrenmatts Schauplätze ab. Mir fällt etwa die Notbremse ein, welche die alte Dame betätigt, um in Güllen auszusteigen. Machen auch Sie dort Halt?
In Ins, dem möglichen Vorbild des fiktiven Dorfs Güllen, gibt es natürlich einen Stopp. Der alte, zur Zeit Dürrenmatts bereits heruntergekommene Bahnhof steht leider nicht mehr. Mir geht es aber darum, die Situationen, in denen Dürrenmatt zu seinem Stoff fand, nachzuvollziehen. Er reiste ja oft von Bern nach Neuchâtel – und lernte erst spät Autofahren. Die Idee zum «Besuch der alten Dame» kam Dürrenmatt beim verhassten, zweiminütigen Zwischenhalt – der ihm zu Weltruhm verhalf. Dürrenmatt war einer, der beim Fahren aus dem Fenster blickte. Zugreisen war sein Kopfkino. Um sich seine literarischen Fantasien «auszumalen», brauchte er konkrete Schauplätze. Manche sind wiedererkennbar. Darum fordere ich meine Mitreisenden auf, während meiner Lesungen die Landschaft anzuschauen, die vorbeizieht.

Immer wenn ich im Zug durch einen Tunnel fahre, der mir etwas gar lang vorkommt, erinnere ich mich an Dürrenmatts apokalyptische Kurz­geschichte «Der Tunnel», in der die Bahnreise zur Höllenfahrt wird. Muss man sich Sorgen machen, unterwegs mit Ihnen auch dort zu landen?
Wer mit mir reist, kommt heil in Neuchâtel an. Die Führung geht dann ja weiter ins Centre Dürrenmatt. Dort zeigen Mitarbeitende des Centre, wie Dürrenmatt als Schriftsteller wie als Maler seine unterwegs gewonnenen Eindrücke kreativ weiterspann.

Was nehmen die Reisenden als Souvenir mit nach Hause?
Es klingt banal – aber ich würde sagen: neue Erinnerungen. Die meisten von uns haben ihre eigene Geschichte mit Dürrenmatt, die früh begann, er war ja für viele Schullektüre. Mit ihm wieder in Kontakt zu kommen, ermöglicht eine Reise in die eigene Kindheit und Jugend – und öffnet einen frischen Blick auf seine Texte und Bilder. So ergeht es, wie ich von meinen Reisegruppen höre, nicht nur mir.

Reise zu Dürrenmatt. Ab Bahnhof Bern, diverse Daten. Bis 22.10.
www.bls.ch

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