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«Gäll, du chasch vo dem läbe?»: Sarah Elena Müller über den Stress mit der Kultur.© Laura Stevens
Botanischer Garten, Bern

«Xen ich uus, als wäri tot?»

«Culturestress» heissen die gesammelten «Bund»-Kolumnen der Wahlbernerin Sarah Elena Müller. Sie liest die «Auto­fiktion mit Hang zum Bodenlosen» im Botanischen Garten.

 «Wennd blinzlisch, xesch die guete Aagebot nöd: Lauschig twenty four vierezwänzg Quadratmeter sanierte Attika mit charmantem Wandschrankfeeling for Singles. For only 1500 Franke» – Sarah Elena Müller weiss um die Wucherpreise des Berner Wohnungsmarktes. Und sie kennt sich aus mit anderen Themen, die Kulturschaffende, Frauen und weitere unwirtschaftliche Wesen umtreiben.

An skurrile Schauplätze wie die Zürcher Hochschule für audiovisuelle Berieselung oder weit hinter den Pluto reist die gebürtige St. Gallerin in ihrem Buch «Culturestress». Oft geschrieben wie bissige Monologe eines Mittfünfziger-Bünzlis, behandelt Müller politisch aktuelle Themen, Feminismus oder Träume. So berichtet etwa ein «Pestizidpilot» während einer Live-Zuschaltung zu «Syngenta im Feld» – der Offstream-Verkaufssendung mit der höchsten Erblindungsquote –, dass er jede Nacht von hermaphroditischen Fröschen träume.

Verirrte Kultivierte

Einige Gedankenspiele später folgt man einer wort- und zeitlosen Kar­toffel auf ihrer Umlaufbahn durchs All. Genial und banal zugleich erzählt die Wahlbernerin, die spartenübergreifend in den Bereichen Literatur, Musik, Theater und Hörspiel arbeitet, von Verirrungen kultivierter Individuen durch die digitale Velo-Sharing-Hölle, von ungerechtfertigten Mobilfunk-Mahnungen, die sich wie «Salt in die Wunde» anfühlten, und dem harten Los als Kunstschulabgängerin («Gäll, du chasch jetz vo dem läbe? Was seit me da? Vilich: Xen ich uus, als wäri tot?»).
Müller, eine Hälfte des Spoken-Word-Pop-Duos Cruise Ship Misery, präsentiert ihre scharfzüngige «semibiografische Autofiktion mit Hang zum Bodenlosen» im Rahmen einer Spoken-Word-Performance im Botanischen Garten. Das kurzweilige Buch «Culturestress» ist ein Zusammenzug aus den Kolumnen, die Müller für den «Bund» schrieb.

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