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© Rob Lewis

Lyrik legitimieren

Jürg Halters neuer Gedichtband «Gemeinsame Sprache» ist erschienen.

Ein Ich, das während des Lockdowns Schatten folgt, «die niemand wirft». Ein Ich, das die Widersprüche der westlichen Selbstoptimierungsgesellschaft hinterfragt: «Selbstbestimmt tot sein / Wers glaubt wird selig / Wir sind gute Menschen / Wir schaffen das». («Gute Menschen») Oder: «Wir sind krank nach uns selbst» («Defektes Leben»). Der Berner Autor Jürg Halter sucht in seinem neuen Gedichtband «Gemeinsame Sprache» nicht nach Worten, diese Domäne beherrscht er. Er sucht viel mehr nach der Möglichkeit zur Aussprache, nach Einsicht, Verständnis und nach Geduld beim Zuhören und Lesen. Damit legitimiert er Lyrik als eine Gattung, die hierzulande immer wieder viel Selbstbehauptung benötigt.

Dafür muss man ihn bewundern und bedauern. Immer wieder ist es an ihm, zu erklären, dass Gedichte auch die Sprache der Gegenwart sprechen und nicht nur sich reimende oder elitäre Zeilen von toten Menschen sind. Halter tut dies – zuletzt bei SRF «G&G – Gesichter und Geschichten» – mit Geduld, verschmitzter Gelassenheit und vor allem mit seinen Gedichten selbst.

Jürg Halter: «Gemeinsame Sprache. Gedichte», 2021
www.doerlemann.com

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