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Autor Flurin Jecker doppelt mit «Ultraviolett» nach und nimmt mit in Berlins Clubs.© Janis Maus Marti
Buchhandlung Stauffacher, Bern

Liebe, Schmerz, Techno

Der Berner Autor Flurin Jecker stellt im Stauffacher seinen Roman «Ultraviolett» vor. Mit dem Protagonisten wankt man durch das Berliner Nachtleben und nistet sich als Leserin wie eine Wanze in dessen Kopf ein: eine berauschende Lektüre übers Jungsein. «Als ich sie sah, kam es mir vor, als würde sie auf einer anderen Welt stehen als ich. Es war die Welt, in der ich aufgewachsen und aus der ich geflüchtet war», beschreibt der Protagonist Held seine erste Begegnung mit Mira. In sie verliebt er sich, sie stösst er ab, und zu ihr findet er zurück. Der Berner Autor Flurin Jecker präsentiert nach seinem Erstling «Lanz» (2017), der von einem bloggenden Teenager erzählt, seinen zweiten Roman. Diesmals geht es um einen jungen Erwachsenen. In «Ultraviolett» lässt er den Ich-Erzähler Held über seine Beziehungen sinnieren: zu seinen Eltern, seinem Chef oder Mira, er schwankt zwischen Distanz und Nähe, Sehnsucht und Abwehr, sucht Streit und Versöhnung.

In der Schneekugel

Aus der Schweiz zog Held weg nach Berlin, um zu studieren, wie er seinen Eltern weismachte. Doch war sein Umzug eine Flucht vor den «Geistern», die ihn seit Kindertagen heimsuchen: «Vielleicht kannst du dir eine Mischung aus LSD und einer Flasche Jägermeister vorstellen, auf der du den ganzen Tag U-Bahn fahren müsstest, […] nichts hatte einen Sinn, als würde ich in einer dieser scheiss Kugeln leben, die man schütteln kann, damit es zu schneien beginnt», beschreibt Held dieses Gefangensein. Ein Lebensgefühl, das ihn auch in Berlin nicht loslässt, ihn Nacht für Nacht auf Drogen durch Clubs ziehen lässt. Eine Art Selbstmedikation.

Ambivalente Adoleszenz

«Ultraviolett» ist eine berauschende Lektüre, die die Abgründe des Jungseins auslotet. Die Hauptfigur, die anfangs überheblich auftritt, rührt einen bald zutiefst: Held als Kind, wie er um die Aufmerksamkeit seines Vaters buhlt, in dessen Büro er auf dem Teppich liegend beinahe Weltmeister im Luftanhalten wird und dann erstmals von den Geistern heimgesucht wird. Oder Held von Mira schwärmend, die anders als er einen Plan für ihr Leben hat. Mira, die ihn fühlen lässt, wie ein Dreizehnjähriger, der zum ersten Mal ein Mädchen berührt. Jecker präsentiert das Erwachsenwerden mit all seinen Facetten aus Liebe, Freundschaft, Schmerz und Techno.

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