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Vera Urweider macht Yoga in Santa Maria.© ZVG

Inselpost 32

Während Vera Urweider auf der kapverdischen Insel Sal in Insolation sitzt, schreibt sie hier wöchentlich einen Brief von ebenda.

Santa Maria, 7.12.2020

 

Liebe Angela, lieber Gregor, lieber Dänu, lieber Ueli, lieber Philipp,

als ich vorhin das Datum dieses Briefes oben rechts hinschrieb, merkte ich: Es ist Dezember. Gestern war Samichlaustag und Ribanna backte Grittibänze (Stutenkerle, wie sie sie zu deutsch nennt) und ich merkte: Es ist Dezember. An der Strandbar hängt eine Merry-Christmas-Girlande und ein kleiner Tannenbaum blinzelt vor sich hin. Wenn all das nicht wäre, ich hätte den Dezember verpasst. Es ist zwar etwas kühler geworden, – ja ich bin noch oberhalb des Äquators – und windiger und die Tage etwas kürzer, aber dennoch ist das Meer, das Schwimmen, das Draussensein, das kurzärmlig und kurzhosig Rumlaufen noch immer Hauptbeschäftigung in der noch immer warmen Sonne. Für Dezember ist hier irgendwie kein Platz, so dünkt mich.

So können wir denn auch heute in sorgloser Inselmanier Joanas Geburtstag feiern. Draussen. Auto mieten, losfahren, ganz in den wilden Norden vielleicht. Joana, übrigens, gehört zu den vier Frauen, in deren medizinische Hände ich mich hier begab. Sie ist diplomierte Masseurin, Portugiesin, meine Freundin und Nachbarin. Mit «HarmonyGeste» versucht sie sich gerade selbstständig zu machen. Sie beruhigt auch mal ganz spontan meine von Surfversuchen überforderten Muskeln. Ohne sie hätte ich vielleicht längst aufgegeben.

Dadurch, dass Sal die touristischste der kapverdischen Inseln ist und eine riesige Anhäufung an Expats hat, ist man hier bemüht, ein relativ hochstehendes medizinisches Angebot zu haben. Welches sich wiederum leider auch fast nur Touristen und Expats leisten können. Da gibt es neben Joana noch recht viele andere Massierende, beispielsweise Gabi, eine Deutsche, die sich auf Sport- und Yogamassage spezialisiert hat und ihre Kundschaft vor allem unter den Kitesurfern aller Weltwasser weiss. Oder Marta, ihre Behandlungen können auch mal bis zu zwei Stunden dauern. Es gibt auch eine Osteopathin, Elisabetta, Italienerin aus Como. Zu ihr schlich ich so schnell es ging, nachdem ich so doof aufs Steissbein gefallen war und sofort gemerkt hatte, dass meine Wirbelsäule durcheinander geraten war.

Ihr fünf, liebe Angela, lieber Gregor, Dänu, Ueli und Philipp, ihr wisst wohl aus medizinischer Sicht am besten, wie wichtig mir längerfristig ein solches Umfeld ist. Ihr seid Osteopathin, Physiotherapeut, Masseur, Hausarzt und Rückenspezialist. Ihr seid es, die mich vor zwei Jahren gemeinsam von meinem zweifachen Nacken-Bandscheibenvorfall befreit habt. Ohne Operation. Über Monate. Mit unglaublicher Geduld. Euch verdanke ich, dass ich heute wieder Rucksäcke tragen, über rumpelnde Strassen fahren, auf Dreitausendmetervulkane steigen, auf der anderen Seite wieder runter rennen, kiten und surfen lernen, tauchen, schnorcheln, fischen, und in die Welt des Yogas eintauchen kann.

Santa Maria ist neben Wassersportmekka auch Yogamekka. Das wusste ich nicht, bevor ich hier gelandet war. Von überallher tingeln vor allem Frauen hierher. An verschiedenen Orten hatte ich Stunden ausprobiert, weil ich immer das Gefühl hatte, dass es doch gesund sein könnte für meinen Rücken, nie blieb ich hängen. Bis jetzt. Karen, meine Gesundheitsfrau Nummer drei, ist Irin und lebt schon viele Jahre hier. Mit «Cabo Verde Wellness» hat sie ihre eigene Fitness- und Yogaschule gegründet und sich so einen Traum erfüllt. Dreimal die Woche gibt sie ihre Fitness- und Yogastunden - für umgerechnet Zwei Franken Fünfzig, damit es sich auch Einheimische ab und an leisten können – genau unter meinem Balkon, auf einem Steg über dem Meer. Erst schaute ich zu, jetzt bin ich dabei. Und bin froh drum. Ich merke, wie mein Körper die letzten Monate wieder beweglicher und kräftiger wurde. Das brauchte ich vor allem auch, nachdem ich bereits das zweite Mal sehr infektionserschöpft Antibiotika nehmen musste, die mir Gesundheitsfrau Nummer vier verschrieben hatte: Ärztin Helga. Über sie werde ich euch dann mal noch mehr erzählen. Ihre Sprechstunden werden ganz oft auch zu Gesprächsstunden. Ihr seht, ihr braucht euch hier um mich keine Sorgen machen. Ich bin in den besten Händen.

Liebe Grüsse von der Insel,
Vera Urweider

Vera Urweider schreibt und fotografiert dort, wo sie gerade ist und das, was sie gerade sieht. Nach einer Tanzschule widmete sie sich der Bewegung im Kopf: Sie studierte Medien, deutsche Literatur und Ethnologie in Fribourg und absolvierte die Journalistenschule in Luzern und Hamburg. Momentan versucht sie anstatt auf einer Theaterbühne auf einem Kiteboard zu stehen.

Während sie auf der kapverdischen Insel Sal in Insolation sitzt, schreibt sie hier wöchentlich einen Brief von ebenda. Wer mag, schreibt ihr einen zurück: vera.urweider@gmail.com

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