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Immer maskiert, immer schonungslos: Jessica Jurassica. © Olivia Talina Fosca

«Im Minusbereich»

Mehr als eine literarische «Fuck Off Attitude»: Im Debutroman «Das Ideal des Kaputten» zeigt die Autorin Jessica Jurassica auch Mut zur Unsicherheit.

Ihren 25. Geburtstag hat sie in diesem Sommer hinter sich gebracht, einem «seltsam riechenden Sommer», dem sie nichts abgewinnen kann. Während die namenlose Protagonistin in «Ideal des Kaputten» lethargisch in ihrer Hängematte liegt und gespritzten Weisswein schlürft, reist sie gedanklich hin und her zwischen Vergangenheit und Gegenwart. So beschreibt sie Orte und Momente aus der Kindheit in einem Appenzeller Tal oder denkt an sexuelle Erfahrungen in ihrer Jugend. Dabei reflektiert sie Ansprüche an ihre Weiblichkeit: «Auf dem Fickbarometer war ich gefühlt im Minusbereich».

Einflussreiche Männer

Studiumshalber hat es die Protagonistin nach Bern verschlagen, wo sie irgendwann «kleben» blieb und zunehmend Aufmerksamkeit als Medienkünstlerin bekommt. In ihren Alltag, in dem der Konsum von MDMA dazugehört wie für andere das Feierabend-Pétanque, schwappen mittlerweile Nachrichten einflussreicher Männer aus Zürich, die sie gross machen wollen. Doch sie kann weder den Männern mit Einfluss noch der Stadt mit Potenzial («Zürich war für mich nie mehr als ein Verkehrsknotenpunkt») etwas abgewinnen. Damit stellt sie gängige Macht­mechanismen zwischen Mann und Frau, zwischen dem Kunstbetrieb und der Künstlerin infrage.

In «Ideal des Kaputten» bettet Autorin Jessica Jurassica Mails, Twitter-Feeds oder auch Trip-Advisor-Kommentare neben Textpassagen: Provokative Statements und Storys ihrer Protagonistin finden dabei genauso Raum wie ihre Unzulänglichkeiten, etwa die Angst, sich zu verlieben.

Jessica Jurassica: «Das Ideal des Kaputten», 2021, Lector Books
www.lectorbooks.com

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