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Kurt Marti wäre heuer 100 geworden.© Erben Dr. P. Friedli

Hochaktueller Querdenker

Mit «Hannis Äpfel» und «Alphorn­palast» sind zwei Publi­kationen aus dem Nachlass Kurt Martis erschienen. Den 100. Geburtstag des Theologen, Pfarrers, Dichters, Poeten und Zeitdiagnostikers feiert die Zeitschrift «Neue Wege» mit einer Doppelnummer und einem Anlass.

Es sind oft unheilvolle Themen, Fragen und Gedanken, die sich in den skizzenhaften Erzählungen Kurt Martis im Band «Alphornpalast» erspüren lassen. Da gibt es zum Beispiel eine Frau. Sie sei «nicht recht im Kopf», sagt man im Dorf. Doch als sie den Protogonisten bittet, sich die «blauen Ameisen» in ihrem Garten anzusehen, sieht er sie selbst auch. Da ist der Vorabend, alle Ampeln auf Rot, die Stadt steht still. Eine junge Frau warnt vor den Oligarchen, die eine Regierung aus Marionetten eingesetzt haben. Niemand weiss, was geschehen wird. Und immer wieder taucht dieser ominöse Alphornpalast in den Geschichten auf.

Wie weiter, wenn der geliebte Mensch nach fast sechzig gemeinsamen Jahren stirbt? Die Gedichte in «Hannis Äpfel», sind intime, schmerzhafte, teils flehende Zeilen eines
Hinterbliebenen. Die Publikation, sie wurde vom Berner Autoren Guy Krneta herausgegeben und mit einem Nachwort von Nora Gomringer versehen, ist zum 100. Geburtstag Martis im Wallstein Verlag erschienen. Worte über das Vermissen und die Sehnsucht nach Berührung und Verbindung finden sich darin. Beschrieben wird auch der Wunsch, gehen zu können. Der langjährige Pfarrer der Nydeggkirche fand die passenden Worte für diesen Zustand nach dem Tod der eigenen Frau: Er lebe ohne Hanni nicht mehr, er sei nur noch vorhanden.

Eine Doppelnummer zum Hundertsten

Marti gilt als wegweisend für die Berner Mundartdichtung und war ein
kritischer Beobachter des Weltgeschehens. Sein mehrfach ausgezeichnetes literarisches und publizistisches Werk, das in den 1950er-Jahren seinen Anfang nahm, ist noch immer
von fesselnder Aktualität. Zum Jubiläum hat die Zeitschrift «Neue Wege» die Doppelnummer «Kurt Marti. 1921 | 2021» herausgegeben. Darin sind neben Gedichten auch Collagen und Zeichnungen zu sehen und etliche Beiträge zu lesen, etwa von Publizist Fredi Lerch, der Marti nicht nur als kritischen Gesprächspartner, sondern auch Nachbarn oder Sofagenossen erlebt hat.

«Neue Wege» bietet zudem eine Online Veranstaltung mit Gesprächen und Lesungen. Unter den Gästen sind Guy Krneta, die Regisseurin Meret Matter, und der Künstler Ruedi Schmid.Lo & Leduc präsentieren live von Marti inspirierte Songs.

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