mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Umringt und im Stile einer Anhörung: Madame de Meuron.© Hans Steiner, Musée de l’Elysée, Lausanne
Umringt und im Stile einer Anhörung: Madame de Meuron.

Geleit, Gefolge und Getreue der Grande Dame

Die Historikerin Karoline Arn liest aus ihrem neuen Buch über das Leben der Berner Patrizierin Elisabeth de Meuron-von Tscharner. Sie zeichnet ein intimes und vielschichtiges Porträt. Adelsfamilie, aber für eine Dame von Rang und Namen ein unkonventioneller Lebensstil und taffe Sprüche. Dazu zwei weisse Windhunde und ein Hörrohr. Und seit dem Suizid ihres Sohnes nur noch schwarze Kleidung. Das war das Berner Stadtoriginal Elisabeth de Meuron-von Tscharner, kurz: Madame de Meuron.

Sie galt als gewitzt, rieb sich an gesellschaftlichen Zwängen, pflegte Beziehungen zu wichtigen Politikern und mischte sich in gesellschaftliche Debatten ein. Zahlreiche Anekdoten gehen auf ihr Konto: «Syt Dir öpper, oder nähmet Dir Lohn?» habe die Patrizierin zuweilen gesagt und damit Zeitgenossen in Verlegenheit gebracht. Auch wenn sie später erklärte, das sei ein Witz gewesen, wurde ihr der Spruch als «Standesdünkel» ausgelegt.

Tausende Briefe, andere Tonalität

Auch für die Journalistin, Autorin und SRF-Redakteurin Karoline Arn war das erste Bild de Meurons jenes einer unnahbaren Aristokratin. Als die Historikerin 2011 durch eine Freundin auf unzählige Briefe stiess, welche die Grande Dame an verschiedenste Bekannte geschrieben hatte, änderte sich ihr Bild schlagartig.

«Die Briefe enthielten eine Herzlichkeit und eine Tiefe, die mich beeindruckt und berührt haben», erzählt Arn. Aus ihnen habe eine humorvolle, selbstkritische, feinfühlige, aber auch traurige und verzweifelte Frau gesprochen. «Diese Frau wollte ich kennenlernen.» Es folgten Recherchen und Gespräche mit Hinterbliebenen und die Lektüre zahlreicher Briefe, die
Elisabeth de Meuron-von Tscharner nächtelang schrieb.

Hervorgetreten sei eine Aristokratin, deren Familie den alten Zeiten nachtrauerte und die sich selbst in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch befand. Eine Frau, die an Einsamkeit und Schlaflosigkeit litt und nachdachte über die Politik des ersten und zweiten Weltkrieges, über die Gesellschaft, über Kunst, über die Liebe. 2014 schliesslich erschien der historische Roman «Elisabeth de Meuron-von Tscharner (1882–1980). Der Wunsch der Löwin zu fliegen», ein Bestseller.

Erzählungen Dritter

Diesen Juni hat Arn nun eine literarische Reportage unter dem Titel «Die Entourage von Madame de Meuron-von Tscharner» veröffentlicht, ebenfalls beim Zytglogge Verlag. Anders als in ihrem ersten Buch nähert sich die Autorin der Berner Grande Dame diesmal über Erzählungen von Zeitzeugen und deren Nachkommen an. Im Stauffacher stellt sie ihr neues Buch vor.

Einblicke, Anekdoten, Objekte

Darin beschreibt Arn etwa die Freundschaft zu Maria Gfeller, einer Pächtersfrau, welche Madame de Meuron auf ihrem Schlossgut in Amsoldingen kennenlernte. Die Pächtersfamilie lebte in ständiger Angst vor einer Kündigung des Pachtvertrags durch die Gutsherrin. Nur Maria Gfeller fürchtete sich nicht, der Gebieterin zu widersprechen. Das imponierte Madame de Meuron und eine Annäherung wurde möglich. Mit zunehmender Freundschaft erhielt Gfeller tiefe Einblicke hinter die Maskerade der launischen Schlossherrin.

Sprachwitz und Fundstücke

Zur Vernissage des neuen Buches eröffnete Arn im Kunstraum Oktogon die Ausstellung «Elisabeth de Meuron. Entourage – Briefe, Fundstücke und Bilder». Es sind gemalte Porträts, Fotografien, persönliche Gegenstände, Briefe oder eine Super-8-Aufnahme ausgestellt. Dabei drückt de Meurons Witz an vielen Stellen durch. Etwa wenn sie zu einem Porträt von sich als junger Frau schreibt: «Das habe ich geglaubt zu sein, und war es / Die Blume im Garten lehret / Wie lange die Schönheit währet.»

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden