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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der BuCK-Nachtleben Bern.


Wir lassen euch nicht im Stich!» war wohl in etwa der Höhepunkt der Versprechen. An die Kultur, an die Bars und Restaurants. Fünf Monate später fühlen sich viele Veranstalter, Bühnen - und Kulturarbeitende genauso: im Stich gelassen. Obschon die ellen­langen «unbürokratischen» Anträge fristgerecht eingereicht wurden, obschon man alles getan hatte, um einen Tropfen aus dem zumindest verbal reich befrachteten Topf zu erhalten, ist bis heute kaum ein Franken da angekommen, wo er dringend gebraucht würde. Gebraucht, um Angestellte halten zu können, um Betrieben das Überleben zu sichern, um Lieferanten zu befriedigen oder auch nur die Miete zu zahlen.

In den zuständigen Abteilungen der Verwaltung stapeln sich die Antragskuverts. Zusätzliche Arbeitskräfte öffnen Umschläge, stempeln, lochen, legen ab. Zum Teil sogar auf den Gängen der Verwaltung, weil der Platz nicht reicht. Es hängen eben doch viele Arbeitsplätze an der Kultur, dem Nachtleben, dem Genuss. Aber jetzt geht vielen Betrieben langsam die eh schon dünne Luft aus. Von medial verbreiteten Versprechen können sie nichts kaufen, nichts produzieren, nichts anbieten, niemanden bezahlen.

Jetzt muss ein Ruck durch die Politik und die Verwaltung gehen. Verfahren müssen beschleunigt und Unbürokratisches wirklich unbürokratisch werden. Sonst steht ein kultureller Kahlschlag bevor, den dann genau die gleichen Leute beim Bund und in den Kantonen lauthals bedauern werden, die versprochen haben, dass Hilfe kommt. Ertrinkende können sich nicht ewig über Wasser halten. Da müssen die Retter unmittelbar handeln, statt vorher eine Einsatzdoktrin zu diskutieren, zu evaluieren und zu strukturieren.

Wenn der kulturelle Motor am Laufen gehalten werden soll, muss jetzt Kohle geschaufelt werden. Sofort!

 


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