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Pegelstand

von Sibylle Heiniger
© Rodja Galli, a259

Sibylle Heiniger

Sibylle Heiniger ist Regisseurin, Produzentin und Vorstandsmitglied von ACT Bern, dem Berufsverband der freien Theaterschaffenden. Sie liebt die Aare (vor allem im Sommer) und gute Bücher (immer).

Ich komme gerade zurück aus einem Workshop zu kreativem Lernen und Vermitteln. Da war ich zusammen mit fast 30 Menschen aus elf verschiedenen europäischen Ländern. 30 Kunstschaffende und Lehrpersonen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Künstlerisch-kreative Methoden nutzen, um in der Kunst und in der Bildung gesellschaftliche Themen erfahr- und sichtbar zu machen.

 

Eine der Aufgaben war es, aus sechs verschiedenen Legosteinen, für alle die gleichen sechs, und in 30 Sekunden, eine Ente zu konstruieren. Die dreissig Enten, die dann versammelt auf einem Tisch vor uns standen, sahen alle anders aus. Mal mehr, mal weniger nach Ente. Am wenigsten meine, weil ich zu allem Elend «duck» als «dog» missverstand und versuchte, einen Hund zu bauen. Und ich mich vor der Klärung des Missverständnisses fragte, warum wohl die meisten Hunde Flügel haben.

Nach dieser Übung entstand eine anregende Diskussion über Richtig oder Falsch, über konstruktivistisches Lehren und Lernen und darüber, was Kunst sei.

Was als Kunst gilt oder gelten soll, ist eigentlich eine müssige Diskus­sion. Und doch gibt es immer wieder Stimmen, die es zu wissen behaupten. Ich selber weiss es nicht genau. Ich kann es nur für mich in meinem eigenen Kunstschaffen und in der Ausei­nandersetzung mit anderen Zugängen reflektieren und definieren. Ich sehe Kunst als einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag, als einen Versuch, in unserer komplexen Welt einen kleinen Teil davon zu begreifen und greifbar zu machen. Kunst verlangt Offenheit, Risiko und Lust auf Neues, Unbekanntes – von den Kunstschaffenden genauso wie von den Rezipierenden.

Morgen stimmt der Berner Stadtrat über die Leistungsverträge mit 22 Kulturinstitutionen ab.

Ich gehe hin – und vorher werde ich an der Aare Hunde füttern – nein, natürlich Enten.


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