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Pegelstand

von Madeleine Corbat
© Rodja Galli, a259

Madeleine Corbat

Madeleine Corbat ist Produzentin bei Recycled Tv in Bern. Sie ist Präsidentin des Vereins Cinéville/Kino Rex sowie Vorstandsmitglied von Bern für den Film. Illustration: Rodja Galli, a259

Die Sommerolympiade 2016 ist Geschichte, doch schon steht das nächste Grossereignis vor der Tür: Am 4. September feiert die Schweiz den Tag des Kinos! Fünf Franken kostet eine Vorstellung, also fast so wenig (oder viel) wie üblicherweise Popcorn oder Glace in den Kinopausen. Ein Schnäppchen.

Das wirklich Spannende an der Olympiade ist ja, dass man sich Sportarten anschauen kann, die von eher unbekannt bis noch nie gesehen reichen, bisweilen richtig absurd wirken (Gewichtheben, Reissen, Stossen, Schreien und so weiter), aber einen hohen Unterhaltungswert haben und manchmal auch richtig schön sind (Wasserspringen-Synchronwettbewerb der Männer). Jedenfalls öffnen sie wenig bekannte Welten, erweitern den Horizont und inspirieren im besten Fall zu neuen Taten.

Und eben diese olympionikische Offenheit könnte man für einmal auch am offiziellen Tag des Kinos trainieren. Ob Kinofans, die ständig im dunklen Saal sitzen oder Kinomuffel, die Sinn und Zweck des dunklen Saals nur sehr beschränkt sehen: Man begebe sich für einmal in fremde Welten und Genres.

Da geht also beispielsweise der Kommerz-ist-pfui-und-Godard-Gott-Typ in einen veritablen Blockbuster mit vielen Hollywoodstars und wenig Story, lässt sich ein auf Knall und Rauch und kehrt auch nach der Pause in den Saal zurück. Andererseits kauft sich der Tom-Cruise-ist-Gott-und-Arthouse-Mist-Fan ein Ticket für die Vorstellung eines kontemplativen, komplexen Kunstfilms. Und bleibt ebenfalls bis zum Ende sitzen.

Wer weiss, vielleicht wirken die Filme tatsächlich mühsam oder zum Schreien wie Gewichtheben, vielleicht aber auch überraschend leicht und berauschend wie ein synchroner Sprung vom Zehnmeterbrett. Mag sein, dass Klischees bestätigt werden, Godard oder Cruise Gott bleiben. Doch möglicherweise öffnen sich neue (Kino-)Welten, Kunst und Kommerz verschmelzen und die Liebe zur grossen Leinwand festigt sich. Die fünf Franken sind es jedenfalls wert: eine cineastische Olympiade im Kleinformat.


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