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Off the Record

von 
Jeannette Wolf
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard


Jeannette Wolf

Jeannette Wolf macht die Bar im Kino Rex, kleine Hörstücke und Radio bei RaBe. Was die Wahlbernerin aus Hamburg vom Kulturleben so aufschnappt, teilt sie off-the-record mit den Leser*innen der BKA.

Bern ist ja am schönsten, wenn man zurückkommt. Finde ich.
Und das tue ich oft: zurückkommen. Denn ich bin nicht selten weg.
Das hat weniger mit Bern zu tun als damit, dass ich gerne reise. Landschaften und Städte rasen am Zugfenster vorüber, meine Gedanken fliegen mit.
Es hat alles mehr Leichtigkeit, ist in Bewegung.
So wie jetzt gerade auf dem Rückweg von Genua: Erst verschwindet das Meer, dann die Wohnblöcke Mailands.
Die lombardische Po-Ebene breitet sich aus wie ein Teppich, bevor der Lago Maggiore die Bergwelt ankündigt, in die sich mein Zug hineinschiebt.
Ich war zu Besuch bei einer alten Freundin aus Hamburger Zeiten, nahm drei Tage lang teil an ihrem italienischen Leben mit zwei Schulkindern und nea­politanischem Mann.
Ich hörte Geschichten über Freunde und Nachbarn, über das Schul- und Gesundheitssystem, über Wildschweine, die nachts in die Gärten einfallen und sich über Kartoffeln, Auberginen und Mülltüten hermachen.
Wir genossen Bier in der Abendsonne an einer dicht befahrenen Strasse mit Blick aufs trockene Flussbett.
Kurvige Autofahrten durch Wälder und Täler. Spaziergänge durch Genuas enge Gassen.
Zurück in Bern fühle ich mich wie nach einem Film: Nebst leisen melancholischen Anflügen, dass die Zeit nun vorbei ist, füllen mich die neuen Bilder aus.
Ich bin noch nicht vollständig wieder in der eigenen Realität angekommen, bewahre die Eindrücke.
Und ich strotze vor neuen Ideen.
Neulich sagte mir ein Gast an der Bar nach dem Kinobesuch: Einen Film sehen sei für ihn oftmals wie verreisen – in die Filmstory, in die Filmzeit, in das Filmland. Und zu sich selbst. Der eigene Motor springe an: Was vorher im Kopf nur geparkt war, könne jetzt losfahren.
Ich gab ihm so recht.
Jetzt, da wir beides wieder weitest­gehend unbeschwert erleben können, lasst uns reisen.
Hinaus in die reale Welt und ins Kino.
Denn zurückzukommen ist immer wieder entzückend.
Die eigene Stadt steht in ein klein wenig neuem Licht, der Horizont ist erweitert und der Alltag aufgemischt.

 


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