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Zur Lage: Michael Schweizer Anliker.© Michael Schweizer Anliker

«Wie ein Hummer im Kochtopf»

Der Schauspieler und spirituelle Rückführungsleiter Michael Schweizer Anliker ist der Sohn von Pädu «MC» Anliker, dem 2016 verstorbenen Gründer des Thuner Kulturlokals Cafe Bar Mokka. Als Vorstandsmitglied im Verein Mokka und Editorial-Schreiber des Programmhefts hat er sich Gedanken zu Chancen in der Krise gemacht und sendet einen Lagebericht aus dem Lokal.

«Das Mokka war immer schon als Verein organisiert. Der damalige Vorstand hat im Januar 2017 Marc Schär als neuen Geschäftsführer eingestellt. Im Juni 2017 wurde ich in den Vorstand gewählt. Mit dem Tagesgeschäft habe ich wenig zu tun. Das Team besteht zum Glück aus alten Hasen, die schon lange dabei sind und die einzelnen Bereiche mit der adäquaten Liebe zum Detail behandeln und das Mokka mit ihrer Kreativität beleben.
MC Anliker sagte einst in einem Interview: ‹Wir kämpfen gegen die Verblödung der Gesellschaft, indem wir die Seele füllen mit guten Inhalten und einer Liebe zum Detail.› Das bietet meiner Meinung nach ein gutes philosophisches Fundament, was bei so viel Teamwork dringend nötig ist.
In der letzten Zeit dominiert jedoch der Spruch: ‹Du hast keine Chance, aber nutze sie›. Auch das sagte MC Anliker immer. Es war ein Lieblingsspruch meines Vaters. Da konnte ich früh anfangen zu üben. Ausserdem beschreibt es die Weltlage punktgenau und das nicht erst seit Februar dieses Jahres.

Warnschuss der Natur

Für mich ist die aktuelle Lage ein längst überfälliger ‹Slap in the face› der Natur. Mehr noch ein Warnschuss. Wir sind wie der Hummer im Kochtopf, der freudvoll die Herdplatte hochdreht, weil er nicht weiss, was er sich selbst damit antut. Alles hängt zusammen und wir sind aufgefordert, uns zurückzunehmen. Im Zeitalter des Neoliberalismus ist ‹Walk the talk› beim Einkaufen das effektivste Mittel, um die Welt zu verändern. Die vielen zauberhaften Momente, die bei uns hoffentlich noch erlebt werden dürfen, sollten auf einem lebensbejahenden Fundament stehen und das beginnt damit, die wehrlosen Geschöpfe zu schützen: nämlich die Billionen von Tieren, die unnötigerweise Höllen­qualen durchleben für 15 Minuten Gaumenfreude.

Für uns ist es ein kleiner Akt, auf Fleisch zu verzichten. Für die Tiere ist es ein grosser Segen. Es ist unsere Chance als Gesellschaft, als Verein, Familie, Schule, als Restaurant und als Club, sanftmütige Wege zu gehen, um das Leid zu vermeiden, das Klima zu schützen und uns selbst zu heilen. Wenn wir schon nur rumsitzen können, ist das doch das Mindeste, was wir tun können.

Das Mokka hat einen bombastischen Sommer geplant und wir haben uns sehr darauf gefreut. Wie viel wir davon umsetzen können, wissen wir noch nicht. Wenn der Sommer wegbricht, wird es auch für uns langsam bitter. Wir machen uns Gedanken, wie wir unseren Kulturauftrag weiterhin erfüllen können. Es ist ja sehr ungewiss, wie stark die Krise das Verhalten der Menschen verändern und wie unsere Szene danach aussehen wird. Da gilt es, etwas weiter zu denken als an vorübergehende Live­streams. Das braucht Zeit.»

www.mokka.ch

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