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Ihr Synthie-Drama-Pop oszilliert zwischen Disco und Schlager: Lev Tigrovich.© Lev Tigrovich
Café Kairo, Bern

Ostern für Kairohasen

Üppiges Büffet: Das Kairo präsentiert mit Lev Tigrovich, Igitte Sisters und ENL russischsprachigen Drama Pop, feministischen Dada Punk und queeren House und Techno.

Vor zwei Jahren trafen sich Xenia Wiener-Thorgevsky und Janos Mijnssen in Wien, um die Musik für die Theaterfassung einer italienischen Oper aufzunehmen, deren Handlung in Ungarn kurz vor dem Fall der Sowjetunion angesiedelt ist. Die Produktion kam nicht zustande, dafür aber erblickte die Formation Lev Tigrovich das Licht der Welt: «Wir waren selbst begeistert vom Sound, der entstand, und wollten das Projekt auf keinen Fall im Sand ver­laufen lassen», erinnert sich Mijnssen. Seit ihrer gemeinsamen Studienzeit – «Komposition für Film, Theater und Medien» – an der Hochschule der Künste in Zürich arbeiten die beiden regelmässig zusammen. Zwei Singles kann man vom Duo aus Mijnssen, der unter anderem auch in den Bands Faber und Panda Lux aktiv ist, und Wiener-Thorgevsky, die zurzeit am Theater Basel wirkt, bereits hören, dieses Jahr soll das erste Album erscheinen.

Retro, zeitlos und modern

Lev Tigrovich gelingt ein irritierendes Hybrid aus retro, zeitlos und modern anmutendem Synthie-Drama-Pop. Während der Song «Machina Vremeny» mit treibenden Elementen in Richtung Disco oder Dance ausschlägt, bewegt sich «Supergeroy» im experimentellen Bereich und erinnert zuweilen an Schlager.

Entstanden ist dieser faszinierend-unfassbare Mix in einem Prozess des Heraus- und Hervorschälens, wie Wiener-Thorgevsky erklärt: Musikalischer Ausgangspunkt war das 80ies-Setting des unvollendeten Opern-Theater-Dramas, aus dem sie nach und nach ausbrachen, und so zu ihrem eigenen Sound fanden. Es sei das erste Mal, dass sie auch mit ihrer Zweitsprache Russisch auftrete, fügt sie an.

Depressive Handys & queerer Techno

Neben Wiener-Thorgevsky und Mijnssen gibt es am «Osterfest!» auch das aus München-Schwabing kommende Künstlerinnenduo Igitte Sisters zu hören. Die Zwillinge Susy und Yvonne Klos im Renterinnenalter waren bereits Punks, bevor es Punk überhaupt gab, ihre Songs tragen Titel wie «Handydepression». Lange als Geheimtipp gehandelt, erlangten sie spätestens seit einem Artikel der österreichischen Autorin Stephanie Sarg­nagel («Das ist das aus­sergewöhnlichste Künstlerinnenduo, dem ich je in meinem Leben begegnen werde») grössere Aufmerksamkeit. Abgerundet wird der Abend von einem Auftritt des Duo ENL, welches House- und Technobeats mit einer ordentlichen Portion Wut auf cis-männliche Vorherrschaft verbindet, und bei der anschliessenden Disco Pop auflegt.

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