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John Glacier: «I'm pretty spicy, spicy.»© Jessica Eliza Ross
Dampfzentrale, Bern

Minutenlanger Sommer

Das Festival Aether der Dampfzentrale zeigt, wie divers elektronische Club­musik sein kann. Eine der auftretenden Künstler*innen ist dieses Jahr die britische Rapperin John Glacier, eine nicht immer greifbare Kunstfigur.

John Glacier trägt eine gewisse Apathie in ihrer tiefen Stimme, wenn sie auf ihrem letztjährigen Debütalbum «Shiloh: Lost for Words» rappt. Ihre Worte stolpern beinahe über die elektronischen Beats, ohne dass da irgendwelche Hektik rauszuhören wäre, was die Londonerin ziemlich cool wirken lässt. Trotz Namen, wahrlich gleichgültig-kühlem Sprechgesang, schrillen Synth­parts und noisigen Fragmenten meinte sie bereits in diversen Interviews, dass sie gar nicht so kühl sei, wie das gerne behauptet werde. Das sagt sie auch im Stück «Icing»: «They just think I’m icy, no, no / Think I’m pretty spicy, spicy». Tatsächlich bietet das Bedroom-Rap-Album mit den auffallend kurzen Stücken auch einige Minuten, die einen in eine heisse Sommernacht ver­setzen.

Experimentelle Electronica

Das ist zum Beispiel so bei «Boozy» oder in «Trelawny Waters», in welchem sie ihrem Festdrang Raum gibt: «I wanna party all night / I wanna party all night / ’til the Sun rise /   Blunt dies ’til I’m alright / I wanna party all night.»

John Glacier gibt am Mikrofestival Aether der Dampfzentrale, das subversiven und experimentellen Electronica eine Bühne bietet, ein Konzert. Die junge Musikerin ist auch für das Programmteam des Festivals eine Neuentdeckung: «Wir wurden Anfang Jahr auf sie aufmerksam, denn uns gefiel neben ihrem genialen Album auch John Glacier als nicht immer greifbare Kunstfigur», sagt Dominika Jarotta, die das Festival mitkuratiert.

Feier des Performativen

Für das diesjährige Festival habe man, wie auch schon bei vergangenen Ausgaben, darauf geachtet, Clubmusik möglichst vielfältig abzubilden. Neben John Glacier aus der Rap-Ecke steht von Grime inspiriert Iceboy Violet aus Manchester auf dem Programm, und das belgische Duo SKY H1 & Mika Oki vereint technoide Clubmusik mit poppigem Songwriting – Kunstprojekte, die auch das Performative zelebrieren. Letztere etwa verbinden ihr Konzert mit einer visuellen Performance.

Schweizer Vertreter*innen der elektronischen Avantgarde ergänzen das internationale Programm. So spielt die Bernerin Chewlie ein Liveset. Vergangenes Jahr hat sie ihr Debütalbum «Density» veröffentlicht, welches zwischen Dub-Techno und Ambient skurrile Über­raschungen bereithält.

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