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Big Zis rappt gegen die Männerlastigkeit und den Machismo ihres Genres an. © Luisa Ricar
Naturhistorisches Museum, Bern

«Mini funky cool Vagina»

Live unter dem Wal: Im Naturhistorischen Museum Bern spielt Rap-Ikone Big Zis, begleitet von Niels van der Wer. Die Zürcherin reimt seit 25 Jahren gegen Sexismus.

«Chume abe / Chume i mini Stadt / Vom Stadel / Vom Stadel bis zum Limmatplatz / Hanged Kabel / Vom Chäfer bis zum Bellevue / Fänschter vernaglet» – Der neue, grossartige Song «H.O.N.I.G.» von Big Zis und Marton di Katz ist eine düstere Hommage an Zürich. Die Bewohner*innen der Stadt, ausgebeutete Arbeitsbienen, müssen Honig bringen, um das System am Laufen zu halten. «Wenn man sich gut kennt und mag, muss man ehrlich sein miteinander», beschreibt die Rapperin die Hassliebe zu ihrer Heimatstadt. «Überall wird gebaut, abgerissen und renoviert. Die Bodenpreise schiessen durch die Decke, Zwischennutzungen und Pop-Ups verdrängen die Besetzer-Szene.» Nun besucht die Zürcherin Bern: An der Konzertreihe «Unter dem Finnwal» spielt sie im Skelettsaal des Naturhistorischen Museums gemeinsam mit dem Klangkünstler Niels van der Wer, auch er ein Zürcher.

Öffentlich finanzierter Sexismus

Die Musikerin, Velokurierin und Mutter dreier Kinder mischt mit ihrem feministischen, frechen Rap seit 25 Jahren die Schweizer Hip-Hop-Szene auf und prangert Sexismus im Rap offen an. «Mini funky cool Vagina Vulva isch systemrelevant / Die Clit Hits sind Quant gschmeidig wie Pashmina / Aber dini Angscht isch berächtigt vor de funky cool Vagina» rappt Big Zis im Stück «FCV» des Albums «4×Love:2» aus dem Jahr 2020.

Eine Sexismusdebatte entfachte unlängst der diesjährige Hip-Hop-Live-Event «Bounce Cypher» des Radiosenders SRF Virus, an dem Big Zis heuer nicht teilnahm. Sexistische, homophobe und ableistische Texte im öffentlich finanzierten Format sorgten für Furore. In der Nachbesprechung zeigten die Organisatoren Reue, rechtfertigten sich aber damit, dass bei der Masse an eingeladenen Künstler*innen nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden könne und sie darauf hofften, die Szene reguliere sich selbst. Dazu dürfte es mehr Frauen am Anlass brauchen. Big Zis spricht sich für eine Quotenregelung aus: «Es braucht Vorbilder, damit sich weiblich gelesene Personen eher zutrauen, selbst Rap zu machen.»

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