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Konstantin Wecker steht zur Widersprüchlichkeit des Menschseins und setzt sich für eine gewaltfreie Welt ein.© ZVG/Thomas Karsten

Weckers seelenvolle Klugheit tut gut

Am Dienstag, 1. September, kommt der bekannte Liedermacher, Komponist, Poet und Pazifist Konstantin Wecker mit «Das ganze schrecklich schöne Leben» in die Mühle Hunziken. Es gibt nur 180 Tickets. Die Plätze sind auf drei Etagen verteilt, damit sich alle in Bezug auf Corona sicher fühlen können.


In seinem Lied «Stirb ma ned weg», dessen Worte er, als er sie schrieb, auch an sich selbst richtete, singt Konstantin Wecker: «… doch, ob guad oder schlecht, du warst wenigstens echt …». Und ja, das ist er: Seit Jahren steht er für sich und seine Botschaft ein, selbst dann, wenn es für ihn unangenehm ist. «Oft wurde ich angefeindet, weil ich für eine Willkommenskultur einstehe», sagt der Pazifist, dem das Leben nichts mehr vormacht.

Er selbst habe sich in all den Lebensjahren manchmal schon selbst betrogen, sagt der Münchner. Und steht, wie selten ein Star, ganz und gar zu seiner Widersprüchlichkeit, zur kognitiven Dissonanz, die uns Menschen am allerbesten charakterisiert. Davon erzählt er in seinem Buch «Mönch und Krieger: Auf der Suche nach einer Welt, die es noch nicht gibt». Darin taucht er ohne Sauerstoffflasche in die eigenen Abgründe, verletzlich nackt und zeitlos im Augenblick, und zeigt so, dass jene, die sich mit Haut und Haar dem Leben schenken, sich darauf einlassen, selbst in den tiefsten Tiefen atmen können. Und wer sich in den Tiefen auskennt, gibt sich auch den Höhen hin: Konstantin Wecker liebt die Menschen, das Leben und das Sein. «Ich bin ein spiritueller Mensch.» Was dies beinhaltet oder ausklammert, erzählt er in seinen Büchern, Liedern und auf der Bühne. Aber vor allem in seinen Gedichten. In ihnen lässt er seine ganze Persönlichkeit durchscheinen, offenbart sich in Worten und auch Taten als der authentische Mensch, der er ist. Steht zu seiner Wut, aber auch zu seiner Zärtlichkeit («Wut und Zärtlichkeit»).

«Wir sollten die Welt poetisieren», sagt er denn auch. So wie es einst der Philosoph und Jurist Novalis alias Friedrich Freiherr von Hardenberg, einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Romantik, mit: «Wir sollten die Welt romantisieren» getan hat. Kon­stantin Wecker kämpft mit Liedern und Gedichten, mit Worten und seelenvoller Klugheit gegen Rassismus, Faschismus und Krieg an. Steht für Frieden und Gleichberechtigung und gegen das Patriarchat ein.

 

Wenn Klugheit, Herz und Charisma …

Seit 50 Jahren steht der 73 Jahre alte Künstler, Komponist, Schauspieler und Autor als Liedermacher und Musiker in verschiedenen Formationen auf der Bühne. Einst mit anderen Grössen wie Joan Baez oder Mercedes Sosa (und vielen anderen), heute mit diversen Bands und Musikern, darunter Pippo Pollina oder die Liedermacherkollegen Hannes Wader und Reinhard Mey. Und mit seinen beiden «festen» Mitmusikern: dem kongenialen Pianisten Jo Barnikel und der hochkarätigen Cellistin Fanny Kammerlander, oder solo. Konstantin Wecker füllt auch mit über 70 Jahren Konzerthallen, die einem 2000-köpfigen Publikum Platz bieten, tourt durch die deutschsprachigen Länder und tritt – in Nicht-Corona-Zeiten – beinahe täglich irgendwo auf. Umso wertvoller erscheint seine Zusage, in der Mühle Hunziken in Rubigen vor 180 Menschen zu lesen – «es kann gut sein, dass ich einige meiner Lieder a cappella singen werde».
In der Mühle Hunziken liest Wecker am 1. September aus seinem Buch «Das ganze schrecklich schöne Leben». Zudem singt er zwischendurch a cappella und wird gar, wenn es klappt, für einen Song von Philipp Fankhausers Pianist Hendrix Ackle am Klavier begleitet.

 … sich paaren, entsteht Magie

Dazu heisst es auf der Mühle-Homepage: «Während der Lesung blickt Wecker auf seine 50 faszinierenden Bühnenjahre zurück, kommt schnell und gern ins Erzählen und trägt Texte und Gedichte aus seinem jüngsten Band ‹Auf der Suche nach dem Wunderbaren› vor. Doch seine gnadenlos ehrliche Sicht auf all das und mehr bezieht auch haarscharfe Gratwanderungen des Lebens mit ein, tränensteile Stufen und tiefschürfende Stürze, Zeiten, in denen Tropenträume zu Drogen-Alpträumen wurden. Gefunden hat er dabei immer sich selbst – und damit auch seine Anhänger, für die seine Zeilen immer In­spiration waren und sind.»

Ja, die Inspiration: Wer auf Weckers Persönlichkeit anspricht, kann sich ihm und seiner Kunst nicht entziehen: der Intonation der Stimme, der unverkennbaren Handschrift seines Klavierspiels und im Falle der Lesung eben seiner Poesie. Deren Rhythmus, Tempo, Stil, Melodie, Virtuosität. Der unverkennbaren Handschrift eines Poeten, der die Gros­sen vergangener und moderner Zeiten kennt und sich selbst von ihnen inspirieren liess – und längst selbst dazu zählt.

Jeder Augenblick ist ewig

So macht Konstantin Wecker jeden Augenblick zu Ewigkeit, denn nur auf den Moment kommt es an:  «Jeder Augenblick ist ewig, wenn du ihn zu nehmen weißt. Ist ein Vers, der unaufhörlich Leben, Welt und Dasein preist. Alles wendet sich und endet und verliert sich in der Zeit. Nur der Augenblick ist immer. Gib dich hin und sei bereit! Wenn du stirbst, stirbt nur dein Werden. Gönn ihm keinen Blick zurück. In der Zeit muss alles sterben, aber nichts im Augenblick.»

Es geht ums Tun, nicht ums Siegen

«Steht er auf der Bühne, sitzt an seinem Flügel oder liest, geht Konstantin Wecker mit dem Publikum eine Liebesbeziehung ein.» So schrieb es einst der Journalist und Redakteur von Weckers gesellschaftskritischem Webjournal «Hinter den Schlagzeilen», Roland Rottenfusser. Wecker selbst bleibt der sanftmütige, manchmal wütende, auf jeden Fall aber unermüdliche Widerstandskämpfer, der mit unzähligen Preisen übergossen wurde, die sein Lebenswerk und seinen Einsatz für den Frieden honorieren. Und der seine Poesie zärtlich über die Welt legt, wie ein Vater die Hand auf das Haar seines Kindes. Zur Frage, ob man mit Poesie, Zärtlichkeit oder auch Wut gegen die Ungerechtigkeiten der Welt ankämpfen kann, sagt Wecker (auch in einem seiner Lieder): «Es geht ums Tun und nicht ums Siegen.» Und weiter: «Wenn ich meinen Zuhörerinnen und Zuhörern Mut machen kann, zu sich selbst und zur eigenen Haltung zu stehen und für eine gerechtere Welt einzustehen, so ist dies bereits viel. Und wir werden stets mehr, die das Gleiche wollen.»

Von der Unendlichkeit berührt

«Aus welchen Quellen kommt die In­spiration? Wo werde ich von der Unendlichkeit berührt? Gibt es Gott und falls ja, wie kann ich mir ihn oder sie vorstellen?» Mit diesen Worten erklärt Roland Rottenfusser Weckers lebenslanges Suchen und Forschen in Bezug auf unser aller Sein, Werden und Vergehen.

Konstantin Wecker selbst wird sich an der Lesung in der Mühle Hunziken nicht erklären wollen – sein Tun, sein Wollen und Sein, seine Poesie tun es. Wer sich von ihm und seiner vielschichtigen Kunst berühren lässt, der fühlt des Lebens Drängen, das Atmen des reinen Augenblicks und das Pochen des gros­sen Geheimnisses, das Geheimnis bleiben will, «ohne Warum» (Lied, Hörbuch und CD) und sich nur manchmal in der eigenen Seele offenbaren und enthüllen will.

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