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Dave Naef: «Die Solidarität während des Lockdowns hat mich berührt.»© ZVG
Bierhübeli, Bern

Grosse Fussstapfen und neue Spuren

Dave Naef führt, gemeinsam mit Nando Hepp, seit vier Jahren das Bierhübeli in Bern. Naef kümmert sich um Programm, Booking, Produktion und ist Leiter Kommunikation. Hepp ist zuständig für die Gastronomie und die Finanzen. Mit 108 Veranstaltungen schlug der Begegnungs-Club vergangenes Jahr den bisherigen Bierhübeli-Rekord. Dave Naef selbst sieht sein Leben als Mobile, das das Licht bei jeder Bewegung reflektiert und bunt zurückwirft.


Dave Naef liess sich in seinen 47 Lebensjahren vor allem von Freundin Musik begleiten. In allem, was er tat, war sie an seiner Seite. Seit 13 Jahren ist der mehrfachstudierte Veranstalter lic. rer. pol. (Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Vertiefung in Kommunikation & Marketing, Medienwissenschaft & Politologie) auch und vor allem Vater, seit sieben Jahren betreut er seine Kids alternierend mit deren Mutter: «Die eine Woche leben die Mädchen von Freitag bis Dienstag bei mir, die andere nur montags und dienstags.» Diese kluge Lösung schafft ihm die unbedingte und ungeteilte Zeit für die 11- und 13-jährigen Töchter, aber auch für seinen gegenwärtigen Beruf: So kann er sich im 14-Tages-Rhythmus jeweils voll auf seine Prioritäten konzentrieren: Kinder und Bierhübeli.

 

Bierhübeli-Stillstand

«Wir wurden Ende Februar mit der Krise konfrontiert», so Naef. «Es wurde klar kommuniziert, wie sich die Kulturszene zu verhalten habe und dies haben wir umgesetzt.» Er erinnere sich gut an das letzte Konzert vor dem Lockdown: «Am 12. März spielten Patent Ochsner.» Naef freut sich darüber, dass es nun im «Hübeli» wieder Konzerte und Partys, unter Einhaltung der Regeln, geben dürfe. «Die Solidarität während des Lockdowns hat mich berührt.» Es seien Whatsapp-Gruppen entstanden. «Die Clubs untereinander tauschten sich aus, was sonst nicht allzu oft vorkommt. Für Kulturschaffende und Veranstaltende wurden Spendenaktionen ins Leben gerufen.» Jeden Tag habe er neu organisieren müssen. «Jene Konzerte, die in die Lockdown-Zeit fielen, verschoben wir, wenige sagten wir ab.» Für die Mitarbeitenden sei Kurzarbeit eingeführt worden. 86 der 110 Mitarbeitenden, die für das Bierhübeli arbeiten, seien davon betroffen gewesen.
Seit 30 Jahren gibt es das Event­lokal. Was zu Beginn ein Verein war, hat sich zum allbekannten Begegnungsort gemausert. 108 Konzerte und 60 Partys fanden 2019 im subventionslosen, respektive quersubventionierten Haus statt. «Es ist uns sehr wichtig, dass das Bierhübeli als Konzert- und Kulturlokal wahrgenommen wird.» Natürlich inklusive Gustavs Biergarten.

Seit jeher Vagabund

«Wir wollen nun die Bierhübeli-Geschichte weiterschreiben, sind der Tradition verpflichtet», so Naef. «Deshalb wollen wir der der alten Dame ein neues Gewand verpassen: das des Begegnungsortes. Wir wollen neue Werte pflegen.» Das Bierhübeli solle unabhängig bleiben. «Unsere Vorgänger haben grosse Fussstapfen hinterlassen, ja. Aber sie bedeuten nicht, dass wir nun nicht selbst neue Spuren machen können.» Das Lokal entwickle sich. «Vielleicht machen wir mehr eine Evolution als eine Revolution», lacht Naef. «Künstlerinnen und Künstler kommen gern zu uns. In Bern findet Kultur statt, nicht nur in Zürich.» Die Leidenschaft für die Sache offenbart, weshalb Naef diesen Job macht: «Ich habe Herzblut dafür, klar. Aber vor allem will ich authentisch sein. Du musst im Leben das machen, was Dir entspricht.» Und das hat er bis anhin getan. Der Musiker vertonte eine kanadisch-schweizerische Filmproduktion, steuerte Songs für die SRF-TV-Sendung «Lüthi und Blanc» bei, schrieb Musik für das Synchron-Schwimmerinnen Duo, das an den Olympischen Spielen in Peking teilnahm, kennt das Booker-Leben, weiss, wie es sich anfühlt, auf Tournee zu sein. Er war Manager diverser Bands. Kennt sich aus im Corporate- und generell im Kulturbereich. Nach seinem ersten Event, für den er von der Musik über die Choreografie bis zur Finanzierung alles umsetzte, habe er gewusst, dass er beruflich «am richtigen Ort» sei. «Ich machte wirklich bis anhin viel Verschiedenes im Leben – das Bierhübeli vereint alles.» Er arbeitete in Deutschland,Zürich, Winterthur, St. Gallen. Hatte eine Künstlervermittlungsagentur mit Gütesiegel. All dies sieht man einem Menschen nicht an. Auch wenn manche Wege gleich lang sind, so sind doch manche steiler, holpriger oder intensiver als andere. Dave Naef spricht gern in Bildern, wenn er aus seinem Leben erzählt, das an manchen Stellen aufblinkt, wie Sternschnuppen in der Sommernacht. Nun, im Juni, sind sie zahlreich: Neun Konzerte sind im Bierhübeli geplant. 100 Menschen dürfen rein pro Konzert. Für Dave Naef bedeutet dies einen erfüllten Wunsch: Es geht weiter!

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