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«Mich schmerzt es um jedes einzelne Konzert«, sagt Julia Foster vom Fri-Son.© Isabelle Klemt

«Eine schnelle Öffnung entspricht nicht dem Gebot der Stunde»

Julia Foster ist Leiterin Kommunikation im Fri-Son. Im Interview spricht sie über kulturelle Dilemmas, Solidarität und über die Verantwortung, die ein Konzerthaus trägt.

Julia Foster, Mitte Oktober fand mit Le Flux das letzte Konzert im Fri-Son statt, seit da ist es still geworden. Wie war das für Sie?An den wenigen Konzerten, die wir im Herbst veranstalteten, hatte ich schon das grausame Gefühl im Hinterkopf, dass sich eventuell hier jemand anstecken und schwer erkranken könnte. Der Job der rund 
150 Mitarbeitenden ist es ja eigentlich, dem Publikum durch die Kreation eines sozialen Raumes für Begegnungen Freude zu bereiten. Begegnung und Austausch sind die Essenz unserer Arbeit – und problematisch in einer Pandemie mit einem ansteckenden Virus. Dieses Dilemma war echt brutal.

Welchen Ausfall bedauern Sie am meisten?
Mich schmerzt es um jedes einzelne Konzert, das nicht stattfinden konnte. Nicht einmal aufs Fri-Son bezogen, sondern aufs gesamte Musikbusiness. Jedes abgesagte Konzert nimmt vielen Menschen die Möglichkeit, ihren Job zu machen, in den die meisten sehr viel Herzblut stecken.

Also hoffen Sie darauf, bald wieder veranstalten zu dürfen?
Möglichst schnell wieder die Türen zu öffnen, entspricht nicht dem Gebot der Stunde. Veranstalten wollen wir erst, wenn es die Situation auch wirklich erlaubt. Die Verantwortung gegenüber Gesellschaft, Publikum und Mitarbeitenden steht an oberster Stelle. Ausserdem sind wir ein riesiges Haus mit einer Kapazität von 1200 Gästen und benötigen eine gewisse Planungssicherheit.

Was wünschen Sie sich stattdessen?
Momentan hoffen wir natürlich auf Verständnis und Weitsicht der Politik, kulturelle Institutionen und Kulturschaffende angemessen zu unterstützen. Das ist das, was für uns momentan am wichtigsten ist. Ausserdem braucht es nun wirklich Solidarität. Solidarität in der gesamten Gesellschaft und auf zwischenmenschlicher Ebene. Empathie, nicht nur für die 
uns nächsten Personen, sondern auch jenen gegenüber, die uns fremd sind. Alle von uns haben nun eine Verantwortung zu tragen, sonst können wir diese Krise nicht meistern.

www.fri-son.ch

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