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Sein Sound surrt, quietscht, piepst, zirpt und und klickt: Chris Imler aus Berlin.© Galya Feierman
Dampfzentrale, Bern

Eine Nacht voller Grossstadtnächte

Sie kommen aus Berlin, Wien und Taipei und transzendieren in ihrem musikalischen Schaffen die Konventionen der Soundästhetik: In der Dampfzentrale treffen die Künstler*innen Chris Imler, Rosa Anschütz und Meuko! Meuko! aufeinander.

«Operation Schönheit» titelte der Berliner Musiker Chris Imler sein kürzlich erschienenes Album, auf dem er zwischen deutschen und englischen Texten, zwischen nervösem, elektronischem Post-Punk, entspannt-verworrenem Dub und experimentellem Avantgarde-Pop oszilliert.

Ein Berliner Original

Mitte der Achtzigerjahre flüchtete Imler aus dem miefigen Augsburg nach Westberlin. Seither ist der Schlagzeuger mit dem stets akkurat getrimmten Menjou-Bärtchen, der von der «taz» als «Grandseigneur des Berliner Undergrounds» betitelte wurde, nicht mehr aus den Kneipen und Clubs der deutschen Hauptstadt wegzudenken.

Lange trommelte er für Musiker und Bands wie Jens Friebe, Die Türen oder Oum Shatt. Diese Breite an Erfahrung, verbunden mit einer gebührenden Ernsthaftigkeit trifft bei seinen Soloprojekten auf Gelöstheit und Experimentierfreude, so auch bei «Operation Schönheit», dem dritten Longplayer des Musikers.

Kein Bock auf Selbstoptimierung

«Ich betrachte meinen Körper / Das im Spiegel, das bin ich / Der mit kalten nackten Händen / Und mit Flecken im Gesicht / In Albträumereien erkenne ich mich / Und ich schlafe wie in Särgen / Und ich schlafe wieder nicht» heisst es im Stück «Schau hin».

Mit Lakonie bis Zynik prangert der Musiker den Zwang zur Selbstoptimierung an. Auch das Verlorensein, Scheitern als Lebensgefühl und Paranoia sind Thema. Untermauert werden die alltagsphi­losophischen Ausläufer mit Lauten, die an elektronische Störge­räusche oder die Klangkulisse eines Spaceshuttles denken lassen: Imlers Sound surrt, quietscht, piepst, zirpt und klickt. Der minimalistische, monotone Sprechgesang, die treibenden Rhythmen und verworrenen Töne verdichten sich zu einem einzigartigen Groove – eine kunstvolle Einladung zum Abdriften.

Schattige Beats und glitschige Klänge

Chris Imler ist einer von drei Musiker*innen, die an diesem Abend in der Dampfzentrale auftreten. Zu hören und zu sehen gibt es auch die in Berlin und Wien wirkende Künst­lerin Rosa Anschütz und Performerin Meuko! Meuko! aus Taipei. Während Anschütz in ihren transmedialen, schattigen Soundkulissen Spoken Word, Gesang, Synthesizer, Gitarre, Bass und Drum-Machine aufeinandertreffen lässt, integriert Meuko! Meuko! «Field Recordings» in ihre elektronischen Klangbilder, deren Ursprünge in den spirituellen Landschaften Taiwans zu finden sind.

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