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Joana Roots glaubt an die verbindende Kraft des Singens.© ZVG

Durch die eigene Stimme befreit

Jasmin Di Pietro alias Joana Roots ist Musikerin und Stimmcoach. Bei ihrer Arbeit sieht sie sich immer wieder mit persönlichen Schicksalen konfrontiert.

Als Tochter einer in Armut aufgewachsenen philippinischen Sängerin wurde ihr von Kindesbeinen an eingebläut, dass man von der Musik nicht leben kann und sie sich einen anderen Beruf auswählen soll. «Aber gerade wenn man in einem derartigen Wohlstand aufwächst wie wir hier in der Schweiz, hat man den Luxus, von einer Passion leben zu können», sagt Jasmin Di Pietro, die unter dem Künstlerinnennamen Joana Roots im Herbst ihre neue, lebensbejahende Single «This World» veröffentlichte, die sich im experimentell angehauchten Bereich bewegt und teilweise an moderne Tribalmusik erinnert.

Die Mutter zweier Töchter spielte in diversen Bands, studierte Wirtschaft und hat sich danach in der Grafik weitergebildet. 2012, zum Ende des Maya-Kalenders, sei für die 34-jährige Bern-Freiburgerin, die sich selbst als spirituell bezeichnet, die Welt ein Stück weit untergegangen. Sie hat ihren Job gekündigt, mit ihren Eltern gebrochen und alles auf eine Karte, die Musik, gesetzt. Sie gründete ihre eigene Agentur für Event- und Hochzeitsmusik und wenig später die Gesangsschule Vocal Art, wo sie Menschen jeder Altersklasse in Klavier und als Stimmcoach unterrichtet oder beim Songwriting unterstützt. Während knapp drei Jahren zählte eine krebskranke Frau zu den Schülerinnen von Joana Roots, die sich mit dem Gesangsunterricht einen ihrer Lebens­träume erfüllen wollte. «Anfangs war ich etwas eingeschüchtert von der Verantwortung, jemandem seinen letzten grossen Wunsch zu erfüllen.» Doch die beiden haben mit Herzblut gearbeitet, bis plötzlich eine SMS gekommen sei mit dem Datum der Beerdigung. «So ist das Leben, diese Erfahrungen sind auch wertvoll», sagt die Musikerin.

Singende Gemüter

Gesangsunterricht sei zu einem grossen Teil auch psychologischer Natur. «Wenn du jemanden befreien willst, musst du für die Person da sein. Die Menschen lassen dich in ihre Komfortzone rein, erzählten mir Dinge, die sie sonst niemandem erzählten», wie sie sagt. Etwa über toxische Beziehungen, Missstände am Arbeitsplatz oder sogar häusliche Gewalt an angesehenen Männern mit hohen Titeln. «Durch das Singen trauen sich die Menschen, sich mit grossen Themen auseinanderzusetzen», sagt Di Pietro, die ab März im Bierhübeli einen Open-Mic-Anlass für alle Kunstsparten hostet.

www.joanaroots.com

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