mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
In der Show Kaleidoluna, mit DJ Bobo, war die Bühne so schräg, dass Tom Beck, samt Schlagzeug, angebunden wurde.© ZVG

«Die Musik treibt mich vorwärts»

Tom Beck ist Vollblut-Musiker und Vollblut-Mensch. Der Schlagzeuger aus Thun, der in Leissigen lebt, ist seit Jahren mit DJ Bobo unterwegs – normalerweise. Durch die schwierige Corona-Zeit tragen ihn seine Unterrichtstätigkeit und sein Surfski.

Für Tom Beck ist das laufende Jahr ein schwieriges. Die Shows mit DJ Bobo in ganz Europa und Südamerika, die legendäre Rock & Blues Cruise und die Lancierung der neuen Drummerschuh-Kollektion aus Argentinien
wurden storniert oder verschoben. Der einzige Lichtblick sei der kürzlich durchgeführte Drummers Camp in Sardinien gewesen, eine Woche Workshop für Anfänger und Profis, den Beck vor zwölf Jahren mit seiner Partnerin, Eveline Mayer, ins Leben rief.

«Für uns Musiker und Künstlerinnen gibt es ein Leben vor und nach
Covid-19.» Vor dem Lockdown habe er die Frage, wann sein nächster Auftritt sein werde, stets beantworten können. Nun könne er keine verlässliche Antwort mehr geben. «Seit 35 Jahren das erste Mal. Das tut weh.» Die Kulturschaffenden verlören den Instinkt zur Materie. «Spielen, reisen, proben, vorbereiten, Kräfte einteilen, mit Stress umgehen. Die komplexen Prozesse und Anforderungen, mit denen du als Musiker auf Tourneen konfrontiert wirst, kannst du nur dann verinnerlichen und automatisieren, wenn du unterwegs und permanent gefordert bist.» Ein grosses Risiko sei, dass der Spass am Üben und Komponieren verloren gehe. Man frage sich: «Warum mache ich das überhaupt noch?» Wer bei riesigen Produktionen dabei sei, müsse «up-to-date» bleiben, «ohne dass du weisst, ob, wann und wie solche Konzerte wieder stattfinden werden.» Zudem mache er sich Gedanken, was mit der 100-köpfigen Crew passiert sei, «die dir auf solchen Tourneen ans Herz wuchs.» All dies nage an ihm, was schlecht für die Psyche sei, «weil du als Musiker ja immer gut drauf sein musst …» Klar, Musiker müssten stets davon ausgehen, dass es aus irgendeinem Grund temporär keine Anfragen mehr geben könnte. Deshalb sei es unabdingbar, sich andere Standbeine zu schaffen. «Du musst einen Seitenwagen haben.» Glücklicherweise habe er ein Mandat an der Musikschule Oberland Ost und unterrichte für die eigene Schlagzeug- und Perkussionsschule in Thun und Bern, die er bereits 1993 gründete. 25 bis 30 Schülerinnen und Schüler unterrichtet er wöchentlich. Zusätzlich gründeten Beck und Mayer, sie ist diplomierte Sonderpädagogin, vor kurzem das Mo’Rhythm. Er erachte es als wichtig, gerade für beeinträchtigte Menschen Formen von Musikunterricht anzubieten, in dem sowohl ge­fördert als auch gefordert werde.

Trotz all der Ungewissheit treibe ihn die Musik seit jeher vorwärts. «Warum, das kann ich nicht sagen.»

Als Jugendlicher habe er zuerst Klarinette gelernt. «Irgendwann war mir das zu zahm», lacht Beck. Durch seine Cousins, die alle bereits Schlagzeug spielten, habe er die Perkussion entdeckt. Mit 17 Jahren stand er erstmals als Schlagzeuger auf der Bühne. Zwei Jahre seiner späten Jugend verbrachte er in einer Frauen-WG in Bu­dapest, während er mit bekannten Bands durch das Land tourte. Eine Anekdote zu der Zeit: «Ich hatte eine Freundin, die ihr Grosi pflegte. Es hiess, wenn die alte Dame sterbe, dürfe sie in der Wohnung bleiben.» Weil jedoch die Mietpreise explodierten, habe ihr Vater ein Geschäft gerochen. «Er wollte uns aus der Wohnung haben.» Natürlich hätten sich seine Freundin und er geweigert, auszuziehen. «Eines Morgens erwachte ich, weil ich den Lauf einer Knarre an der Stirn fühlte.» Dies sei das Ende der Zeit in Ungarn gewesen – und auch das Ende seiner Liebschaft mit der Ungarin. Die Karriere indes nahm Fahrt auf, Beck tourte mit bekannten Bands durch die Welt. Bis er 30 Jahre alt war, atmete er kaum durch. Spielte mit Lilly Martin, Paul Camilleri,Philipp Fankhauser, Jammin’, Florian Ast, Gigi Moto; gründete irgendwann «Remote Recording» und hat ein Aufnahme-Studio in Bern. Was waren die wichtigsten Eckpfeiler: «Das Freedom Festival in Philadelphia, unter dem Patronat des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter.» Es sei die Feier zum Mauerfall in Deutschland gewesen. «500 000 Zuschauer waren vor Ort.» Dabei lernte Beck den musikaffinen Carter persönlich kennen. Später war er mit Gölä unterwegs, «dreimal war das Hallenstadion ausverkauft.» Und in den vergangenen fünf Jahren mit DJ Bobo. Weltweit. 2800 Shows und Konzerte spielte er bis anhin. Wäre Tom Beck nicht ge­erdet wie Tom Beck, so ginge es ihm zurzeit zweifelsfrei schlechter. «Mir hilft mein Sport.» Der Surfskipoint ist denn auch sein drittes berufliches Standbein. Surfskis sind eine Art Kayaks, auf denen man obendrauf statt drinsitzt und die mit Pedalen und einem Ruder unter dem Heck gesteuert werden. Sie stammen vom Rettungswesen in Übersee ab, weil sie so schnell und behände sind. «Auf dem See finde ich zu mir und kann mich auspowern.»

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden