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Tonkünstler Ramon Bischoff© Aurora Pajón Fernández
Dampfzentrale, Bern

Alles fliesst

Der Komponist und Toningenieur Ramon Bischoff spricht mit der Berner Kulturagenda über seine neue Platte «Blackwater», die er in der Dampfzentrale vorstellt.

Ramon Bischoff, Sie haben für 
Ihr neues Album «Blackwater» elf Musiker*innen – also elf unterschiedliche Klangkörper – ausgewählt. Wie sind Sie vorgegangen?
Bei der Auswahl der Musiker*innen habe ich darauf geachtet, dass die In­strumente zu der Klangvorstellung passen, die ich hatte. Alle sind aus meinem Bekanntenkreis – sie kennen meine Arbeit und ich die ihre. Alle haben unterschiedliche musikalische Hintergründe: Einige kommen aus der Zeitgenössischen Klassik, andere eher aus dem Rock oder Jazz. Wir haben vorher noch nie in dieser Zusammensetzung gespielt, aber können alle gut mit improvisierter Musik umgehen. So entstand eine Gruppe, die meiner Klangidee möglichst nahekam.

Und wie hört sich die an?
Rhythmisch-explosiv, aber auch ganz leise und zerbrechlich. Es ist ein möglichst organisches Klangwesen mit dem Potenzial, in möglichst unterschiedlichen musikalischen Ausdrücken stattzufinden: Wichtig war mir in dieser Vorstellung, dass die Musik einem eigenen Regelwerk folgt, welches spannende Transitionen vom einen Zustand zum nächsten ergibt. Dabei kann alles passieren, aber alles ist logisch. Da ich als Toningenieur viel am Mischpult arbeite, bin ich ausserdem stark davon ausgegangen, wie man Klänge miteinander mischen und verweben kann, sodass ein Bestandteil des Klangs den nächsten ergänzt. Ausgehend von den elf Klangkörpern ist so jeder Musiker und jede Musikerin ein Teil des Ganzen.

Haben Sie den Musiker*innen Vorgaben gemacht?
Ich gab mir Mühe, sehr wenige, dafür sehr präzise Angaben zu machen. Die Musiker*innen hatten so viel Entfaltungsraum in ihrem Spielen und Improvisieren. Damit war es ihnen möglich, sich gegenseitig im Spielen zu finden.

Können Sie das präzisieren?
Beim ersten Mal, als wir zusammen spielten, gab ich die Anweisung: «Spielt den leisest möglichen Ton, und zwar so lange, bis ihr alle anderen Musiker*innen im Raum hören könnt, danach könnt ihr zusammen lauter werden, immer noch ergänzend und nicht übertönend.» Ein bisschen wie in der Natur, in der etwa jedes Insekt seinen eigenen Frequenzgang hat, haben so alle einen bestimmten Raum, der sich ausloten lässt.

Gab es Momente, wo Sie eingriffen?
Meist dauerten die Aufnahme­sessions zwischen fünf und fünfzehn Minuten. Entweder fanden wir ein gutes Ende oder wir brachen ab, besprachen es zusammen und probierten wieder etwas Neues. So sind rund fünfzehn Stunden Musik zusammengekommen, aus welchen ich eine Auswahl traf, die ich dann arrangierte.

Eine Menge Audiomaterial. 
Wie sind Sie schliesslich zu den 
2 × 20 Minuten gekommen?
Ich bin möglichst entspannt ans 
Musik Hören gegangen und habe nach Präferenzen geordnet. Dabei habe ich nicht unbedingt das Beste ausgesucht, sondern das, was am besten zusammenpasste, einen musikalischen Sinn ergab oder eine organische Überleitung vom einem Teil zum nächsten erlaubte.

Das Album ist in zwei Akte unterteilt. War das von Anfang an geplant?
Die Wassermetapher sowie der 
Titel «Blackwater» waren schon zu 
Beginn vorhanden. Ich habe es mir 
tatsächlich ein wenig wie ein Theaterstück vorgestellt. Nicht mit einzelnen Songs, sondern wie ein Fluss, mit wechselnden Bildern. Wie im Theater die Schauspieler*innen bleiben auch die Musiker*innen die gleichen, ebenso die Geschichte. Es sind einfach unterschiedliche Episoden mit unterschiedlichen Bühnenbildern, wenn man so sagen will.

In vielen Ihrer Projekte geht 
es um ein sich treiben Lassen.
Es ist bestimmt eine Handschrift von mir. Ich versuche in meinen Arbeiten oft, den Puls oder das Metrum aufzuheben und damit auch die Zeit zu relativieren. Sie wird dadurch unwichtig. Es prägt auch meine Beziehung zur Musik. Ich kann eintauchen, Alltägliches verliert an Bedeutung und an diesen Platz rückt Spiritualität. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, im Musikbereich zu arbeiten: Weil hier der Moment ausgedehnt und zelebriert werden kann.

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