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Orchesterprobe einmal anders: Divertimento goes online.© ZVG

«Zuerst haben wir mehr gelacht als musiziert»

Die Zeit der Isolation positiv überbrücken: Die irische Cellistin Clíodhna Ní Aodáin spricht über lustige Online-Proben mit dem Orchester Divertimento Bern und ihre aktuellen Projekte als Solo-Cellistin.

Clíodhna Ní Aodáin, wie gehen Sie als Leiterin des Orchesters Divertimento Bern mit der aktuellen Situation um?
Ich habe vor drei Wochen den Versuch gestartet, die Orchesterproben virtuell stattfinden zu lassen. Zu Beginn haben wir allerdings mehr gelacht als musiziert - was allen sehr gut getan hat. Manche Senioren im Orchester haben noch nie einen Video­chat erlebt. Für sie ist diese Technologie ein grosses Wunder.

Wie haben sich die Proben weiterentwickelt?
Nach diversen Versuchen sind wir nun bei der Videokonferenzplattform Zoom Cloud Meetings angekommen. Beim letzten Mal nahmen insgesamt 15 Musikerinnen und Musiker teil. Das Zusammenspiel funktioniert wegen einer kleinen Zeitverzögerung zwar nicht wie in einer realen Situation, aber ich habe inzwischen Wege gefunden, um doch musikalisch konstruktiv zu arbeiten.

Können Sie ein paar Beispiele geben?
Ich spiele zum Beispiel verschiedene Phrasen oder rhythmische Elemente, die die Orchestermitglieder dann imitieren. Oder wenn die Teilnehmenden ihren Audio-Modus so konfigurieren, dass sie nur mich hören, dann ist es sogar möglich, ein Musikstück zusammen zu spielen. Wie etwa das irische Lied «Mountain Dew».

Neben der Leitung des Orchesters Divertimento sind Sie auch als Solokünstlerin mit Ihrem Projekt The Celtic Cello aktiv.
Ja, genau. Da spiele ich eigene Kompositionen, die von meinen irischen Wurzeln geprägt sind. Diese
haben oft besondere Tonarten – zum Beispiel dorisch – und charakteristische Rhythmen. Ich würde den Stil als
gefühlvolle, atmosphärische Seelenmusik beschreiben.

Was inspiriert Sie am meisten?
Ich versuche die Landschaft und die Natur in die Musik zu kanalisieren. Für mein nächstes Album «Celtic
Rituals» besuchte ich in Irland heilige Orte wie etwa Newgrange. Ich suchte mir Monolithe aus, stellte mich in ihre Nähe und hörte, was für eine Melodie in mir aufstieg.

Planen Sie ein Streaming-Konzert als Solo-Cellistin?
Ich habe das Gefühl, dass ein interaktives Onlineprojekt zurzeit wertvoller ist als eine einseitige Dar­bietung. Deshalb biete ich für alle Interessierten am kommenden Samstag eine Stunde unter dem Motto «Musikalische Wohnzimmer-Erlebnisse» an. Ich möchte den Menschen zeigen, dass es Wege gibt, um diese Zeit der Isolation positiv zu überbrücken.

www.thecelticcello.com

www.divertimento-bern.ch

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