mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Wurden erst selten aufgeführt: Marclays «Investigations».© ochschule der Künste Bern
Yehudi Menuhin Forum, Bern

Zehn Flügel aus der Vogelperspektive

Eine pianistische Premiere im Menuhin-Forum Bern: Zehn Flügel werden den Raum füllen, das Publikum geniesst Christian Marclays «Investigations» vom Balkon aus.

1 Komponist. 10 Flügel. 100 Fotogra­fien. 1000 musikalische Bilder. Was nun im Menuhin-Forum entstehen wird, hat Bern, hat die Schweiz so noch nie ge­sehen. Überhaupt wurden die «Investigations», die der in London lebende US-Künstler und Komponist Christian Marclay 2018 schrieb, noch kaum aufgeführt. Kein Wunder, konzipierte er das Stück doch für «eine grosse Anzahl» an Flügeln. Die Hochschule der Künste Bern entschied sich für zehn. Mehr würden wohl kaum ins Menuhin-Forum passen.

Theatralische Poesie

Zehn Pianist*innen werden «Investigations» interpretieren. Einer davon ist der HKB-Dozent Antoine Françoise, der auch die Recherchearbeit am Stück leitete. Unterstützung erhielt er dabei von Marclay selber und dem Genfer Pianisten Jacques Demierre, der bereits oft mit Marclay gearbeitet hat. Die weiteren Pianist*innen sind Klavierstudierende der HKB-Abteilungen Jazz und Klassik. Ein erstes Mal trafen sich die Mit­wirkenden bereits Anfang 2020. Seither wurde die Aufführung zweimal verschoben. Es sei eine theatralische Poesie, sagt Antoine Françoise, eine Komposition nach Bildern. «Darum sollen die Menschen auch oben sitzen. Die Bewegung, die aus den Interpretationen entsteht, die ist wirklich faszinierend.»

Visuelle Klänge

Marclay wählte hundert Fotos von pianistischen Situationen aus. «Ein Finger. Kinderhände. Vier- oder sechshändig. Die Hand im Innern des Flügels. Der Pianist stehend neben dem Klavier.» Alle zehn Interpretierenden entwickelten einen musikalischen Moment pro Foto. «Das heisst, wir spielen tausend Schnipsel à ein bis fünf Sekunden.» Bevor die Spielenden auf die Bühne gehen, werden die Fotos gemischt. 
Die Reihenfolge sei so jedesmal anders, und damit auch das Stück. Und komme beispielsweise ein Foto mit vier Händen an die Reihe, hole man sich einen Pianopartner, unterbreche diesen, und spiele die Sequenz gemeinsam. «Marclay ist definitiv ein visueller Komponist», sagt Françoise. «Für ‹Investigations› eigentlich sogar eher Choreo­graf.»

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden