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Thomas Güggels dirigiert, wenn sich die Instrumente paarweise übertrumpfen.© Simon Pauly
Casino, Bern

Wenn der Wettstreit für Harmonie sorgt

Am Konzert «Brahms.» spielen das Berner Symphonieorchester und der Pianist Sir Stephen Hough nicht nur miteinander, sondern auch ein wenig gegeneinander.

«Erzählen will ich, dass ich ein ganz kleines Klavierkonzert geschrieben habe», schrieb Johannes Brahms am 7. Juli 1881 gleich nach der Fertigstellung seines zweiten Klavierkonzerts an die Pianistin Elisabeth von Herzogenberg. Dabei handelt es sich allerdings um eine für Brahms typische Untertreibung. Und zwar um eine gehörige, denn die Komposition gehört mit ihren vier Sätzen bis heute zu den umfangreichsten ihrer Gattung.

 

Einzigartige Verschmelzung

Auch der deutsche Dirigent Thomas Guggeis weist im Interview auf den «gewichtigen Klavierpart» und die «gar symphonischen Dimensionen» hin: «Indem Brahms in diesem poetisch-lyrischen Werk Eigenschaften des Instrumentalkonzerts und der Symphonie zusammenbringt, vereinigt er zwei eigentlich gegensätzliche Pole». Diese «einzigartige Verschmelzung» finde er schon nur in etymologischer Hinsicht spannend: Denn während sich das «Konzert» vom lateinischen Wort «concertare» (streiten, kämpfen) ableite und somit einen Wettstreit zwischen Klavier und Orchester meine, bedeute «Symphonie» dem griechischen Wortursprung nach quasi das Gegenteil, nämlich «Zusammenklang».

Bei der Interpretation am anstehenden Symphoniekonzert im Casino Bern musizieren der Solist Sir Stephen Hough am Klavier und das Berner Symphonieorchester also nicht nur «gegen-», sondern vor allem «miteinander». Der britische Pianist ersetzt Daniel Barenboim, der seinen Auftritt kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen musste.

Berauschendes Finale

Was den zweiten Teil des Abends betrifft, so kündigt Thomas Guggeis auch hier einen Wettstreit an, den verschiedene Instrumentengruppen im «Konzert für Orchester Sz 116» von Béla Bartók austragen würden: «In manchen Passagen stellen sich Instrumente paarweise auf sehr virtuose und brillante Weise vor, wobei sie sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen», sagt der Dirigent. Doch wie auch bei Brahms münde die Komposition aus dem Jahr 1943 in ein «berauschendes Finale mit folkloristischen Anklängen», das das gemeinsame Musizieren zelebriere.

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