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Fritz Krämer vom Ensemble Bernvocal.© Sue Neuenschwander

Von Liebesfreuden zum Trennungsschmerz

Neuentdeckte Alte Musik: Der Dirigent Fritz Krämer und sein Ensemble Bernvocal freuen sich auf eine baldige Veröffentlichung ihrer Debüt-CD «Stagioni d’Amore».

«Der Schnee hat die höchsten Berge schon weiss werden lassen, und alles ist von härtestem Eis bedeckt, aber das Liebesfeuer kann in mir weder Zeit noch Raum löschen.»

Diese ins Deutsche übersetzten Zeilen stammen aus der Komposition «Torna l’inverno frigido» (Es kehrt zurück der kalte Winter) des italienischen Barockkomponisten Biagio
Marini. «Es ist davon auszugehen, dass dieses Stück jahrhundertelang nicht aufgeführt wurde», sagt Fritz Krämer, der Dirigent des Gesangs­ensembles Bernvocal. Denn die knapp 400-jährigen Noten lagerten noch bis vor wenigen Jahren in italienischen Archiven. Es war die Musikwissenschaftlerin Ksenia Nogovitsyna aus Litauen, die diesen musikalischen Schatz im Rahmen ihrer Dissertation zur frühbarocken italienischen Konzertform entdeckt, entstaubt und spielbereit ediert hat. In Bernvocal fand sie eine Formation mit qualifizierten Musikerinnen und Musikern, die bereit war, dieser neuentdeckten Alten Musik Leben einzuhauchen.

Die Zyklen der Natur

Die erste Darbietung vor Publikum fand bereits im Juni 2019 im Yehudi Menuhin Forum in Bern statt. Gleich im Anschluss begab sich Bernvocal in die reformierte Kirche Arlesheim, um das Projekt von Joël Cormier, einem jungen Berner Tonmeister, professionell aufzeichnen zu lassen. «Wenn alles gut läuft, können wir die CD, auf der sich mehrere Welt-Ersteinspielungen befinden, noch in diesem Jahr veröffentlichen», sagt Fritz Krämer.

Das Programm, das Ksenia Nogovitsyna konzipierte, heisst «Stagioni d’Amore» (Jahreszeiten der Liebe). «Die Dichter benutzten oft Bilder aus der Natur als Metaphern, um verschiedene Gefühlsfacetten der Liebe – Freude, Sehnsucht, Leidenschaft, Wut, Trauer, Schmerz – zu veranschaulichen», sagt Krämer. Den Inhalt und den Ausdruck der Musikstücke berücksichtigend, folgt der Ablauf den Zyklen der Natur: Frühling, Sommer, Herbst, Winter – Werden, Blühen, Welken, Vergehen.

Transparentes Klangbild

Zwischen sieben Madrigalen (weltlichen Vokalkompositionen) und fünf instrumentalen Ballettsätzen von 
Biagio Marini stehen auch einzelne Gesangsstücke von Giovanni Rovetta und Giovanni Valentini auf dem Programm. «Die drei Komponisten waren Zeitgenossen, und sie gestalteten die Werke im modernen Stil ihrer Zeit», sagt Fritz Krämer. Die Musik stehe hierbei ganz «im Dienst des Wortes», erklärt der Dirigent, das Klangbild sei «schlicht und transparent». Aber genau deswegen besitze diese Musik ein so grosses Potenzial, «die Zuhörenden mit ihrer Harmonik und Melodik auf direkte Weise anzusprechen und zu berühren.»

An diesem Projekt waren zwei Sängerinnen, vier Sänger, drei Instrumentalistinnen und vier Instrumentalisten beteiligt. «Das Programm erforderte von uns grosse Flexibilität, denn die Besetzung wechselte praktisch nach jedem Stück», sagt Krämer. Im ersten Titel auf der CD, der Kantate «Le lagrime d’Erminia» (Die Tränen der Erminia) von Marini, begleitet zunächst nur eine einzelne Theorbe die klare und souverän geführte Stimme der tschechischen Sopranistin Hana Blažíková. Im weiteren Verlauf variiert die Anzahl der aktiven Musikerinnen und Musiker dann zwischen drei und dreizehn. Als einen Höhepunkt nennt Fritz Krämer Marinis Madrigal «Tirinto mio» – eine Komposition, in der das ganze Vokal- und Instrumentalensemble zum Einsatz kommt.

Die CD erscheint voraussichtlich 2021. Mehr Informationen auf: www.bernvocal.ch

 

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