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Seit bald 20 Jahren zusammen unterwegs: L’art pour l’Aar.© ZVG
Münstertum, Bern

Treibgut erster Güte

Alles ist im Fluss: Das Berner Komponistenkollektiv «l’art pour l‘Aar» sucht in seinem Schaffen nach der Fluidität und Wandelbarkeit des Wassers.

Das Wasser der Aare rauscht, sprudelt, plätschert und strömt unaufhörlich. In ständigem Wandel nimmt das nasse Element jede Form an, die die Natur oder der Mensch ihm gibt. Je nach Jahres- und Tageszeit erscheint der Fluss in den Farben blau, grün, braun oder gar schwarz. Und wenn die Sonne scheint, dann glitzert die Oberfläche. Für das Berner Komponistenkollektiv «l’art pour l‘Aar» ist die Aare das zentrale Sinnbild ihres Schaffens.

«So frei wie das Wasser der Aare fliesst, so grenzenlos wollen wir unsere Kreativität ausleben», sagt die Berner Komponistin Ursula Gut. Die Ton- und Klangschöpfungen, die Gut und die vier Männer im Bunde – Pierre-André Bovey, Jean-Luc Darbellay, Hans Eugen Frischknecht und Markus Hofer – seit Jahrzehnten hervorbringen, sind denn auch so vielfältig und farbenreich wie der Berner Fluss: Mal sind die Rhythmen reissend und wild, mal kräuseln sich die Töne wie sanfte Wellen, oder dann spielen die Kompositionen mit nuancierten Schattierungen und Stimmungen aus Klangflächen.

«L’art pour l’Aar» formierte sich im Jahr 2002 aus dem gemeinsamen Anliegen heraus, in Bern Räume für zeitgenössische Musik zu schaffen. Das Kerngeschäft seines Engagements ist neben dem Komponieren die Organisation und Durchführung von Konzertsaisons mit acht bis zwölf Ver­anstaltungen pro Jahr. Bei der Zusammenstellung der Programme setze die Gruppe auf Vielfalt und künstlerische Freiheit, sagt Ursula Gut. Im Zentrum stünden zwar nach wie vor die eigenen Werke und Arbeiten, doch über die Jahre habe sich die Gruppe auch immer wieder gerne von Ideen und Anregungen von aussen in «alle möglichen Richtungen» treiben lassen.

Dialog mit anderen Künsten

Mit dieser offenen Haltung ergab sich einerseits ein fruchtbarer Austausch mit anderen Komponistenvereinigungen, etwa mit «musica aperta» in Winterthur oder «Scène de la Seine» in Paris. Andererseits zeugt das 19-jährige Konzertarchiv von zahlreichen kreativen Ko­operationen mit Musiker*innen und Ensembles aus dem In- und Ausland, wie dem Ensemble Horizonte aus Detmold oder dem Ensemble notabu aus Düsseldorf.

Des Weiteren zeigt sich die Experimentierfreude des Kollektivs auch im Dialog mit anderen Disziplinen – Literatur, bildende Kunst, Wissenschaft – und in der Auswahl von aussergewöhnlichen Konzertorten.

Unter freiem Himmel

Das anstehende Konzert etwa findet auf dem Münsterturm (bei gutem Wetter draussen) statt. Nach dem Eröffnungsstück, «Appel interstellaire» für Horn solo des französischen Komponisten Olivier Messiaen präsentiert das Olivier-Darbellay-Hornquartett (Olivier Darbellay, Pere Andreu Gomez, Alexandre Labonde, Yascha Israelievitch) in wechselnder Besetzung je eine Komposition der Mitglieder von «l’art pour l’Aar». Zwei davon, das Hornduett «Paduane» von Ursula Gut und das Hornquartett «Vivace» von Jean-Luc Darbellay, sind Uraufführungen. Während Gut sich zu ihrer tänzerischen Komposition von der mittelalterlichen Turmbläserei inspirieren liess, sucht Darbellay auf der Grundlage von zwei Sechstonreihen die Ohren der Zu­hörenden mit «dichten, kanonischen Tonaggregaten» zu verwirren. Zum Abschluss reflektiert und zelebriert die Komposition des Gründungsmitgliedes Alfred Schweizer, «Alpine Klänge», den herrlichen Ausblick auf den berühmten Schweizer Gebirgskamm. 

Münstertum, Bern
Sa., 23.10., 16.35 Uhr
www.artpourlaar.ch

Das Konzert von «l’art pour l‘Aar» finet im Rahmen des Festivals «flash! 2021 - sonority and spirit» des Berner Netzwerks für Neue Musik, pakt bern, statt.

 

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