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Klarinettist Andreas Ottensamer.© Katja Ruge
Diverse Orte, Gstaad und Umgebung

Tauben vergiften in Gstaad

Mit über 60 Konzerten an 16 Spielstätten geht das Gstaad Menuhin Festival in eine weitere Runde. «Wien» lautet das Festivalmotto, das sich um Beethoven und weitere schöpferische Geister aus der Kulturmetropole dreht.

Heute gibt es hauptsächlich zwei Klarinettentypen auf dem Markt: ein deutsches und ein französisches. Wobei, unter den deutschen existiert noch eine Sonderform, nämlich die Wiener Klarinette. Sie alle unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht, etwa in der Länge, der Anzahl Löcher, der Klappenordnung sowie dem Tonloch- und dem Innenbohrungsdurchmesser. Dass der Wiener Klarinettist Andreas Ottensamer eine Wiener Klarinette bespielt, überrascht wohl nicht. «Diese Instrumente haben eine etwas weitere Bohrung», sagte er in einem Interview, und deshalb sei deren Klang auch etwas dunkler und voller.

Mit diesem Instrument und seiner Herkunft ist Andreas Ottensamer also quasi prädestiniert, am Gstaad Menuhin Festival, das sich dieses Jahr unter dem Städtemotto «Wien» präsentiert, prominent aufzutreten. Der Klarinetten-Jungstar stand bereits seit 2017 als «Menuhin’s Heritage Artist» regelmässig auf den Bühnen des renommierten Musikfestivals im Saanenland, für die diesjährige Ausgabe kuratierte er zusätzlich als «Artist in Residence» vier Konzerte unter dem Leitgedanken «entschiedene Offenheit und Farbenreichtum».

Am ersten Konzert, an dem er sich zusammen mit Sol Gabetta (Cello) und Dejan Lazić (Klavier) Klarinettentrios von Beethoven, Schumann und Brahms annimmt, spielt er zunächst mit den Klangfarben der Wiener Klassik und der Romantik. Am zweiten Konzertabend «Kammermusik der Neuen Wiener Schule trifft auf Georg Kreisler» erweitert er mit der Geigerin Patricia ­Kopatchinskaja und weiteren Musiker*innen das Ausdrucksspektrum entschieden in die Moderne. Und bevor er den vierten Abend mit dem Kreisler-Lieder-Late-Night-Konzert, «Tauben vergiften im Park», beschliesst, sprenkeln er und die Wiener Sängerknaben musikalische Farbtupfer aus verschiedenen Zeitepochen und Ländern quer durch den Raum der Kirche Saanen.

Unter all den schöpferischen Geistern, die über die Jahrhunderte in der österreichischen Kulturmetropole wirkten, sticht einer besonders heraus: Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag alle Welt vor zwei Jahren feierte. Auch in Gstaad wäre dies eigentlich geplant gewesen, doch weil damals bekannte Gründe die Umsetzung verunmöglichten, holt man heuer die «Wiener» Ausgabe mit dem Untertitel «Beethoven delayed» nach. Als Höhepunkt der insgesamt 15 Konzerte, die dem Musikrevolutionär gewidmet sind, ragt die konzertante Aufführung von Beethovens einziger Oper, «Fidelio», durch das Gstaad Festival Orchestra und Solist*innen wie Anja Kampe (Sopran) oder Jonas Kaufmann (Tenor) hervor.

Neben dieser Beethoven-Reihe stehen noch eine grosse Anzahl ­weiterer Konzerte aus den Zyklen «Orchester / Oper / Chor», «Kammermusikfest» oder «Today’s Music» zur Auswahl. Dabei überrascht Letzterer immer wieder mit Darbietungen, die die Hör- und Aufführungsgewohnheiten aufmischen – etwa jene der österreichischen Bläserband Federspiel, die alpenländische Blasmusik auf eine frische und moderne Art neu interpretiert, oder der Auftritt der deutschen Tanzgruppe Dancefloor Destruction Crew, die auf der Bühne des Festival-Zelts ihre Breakdance-­Show «Breakin’ Mozart» hinlegt.

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