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Marlen Bieber besucht die Opernwerkstatt mit «Hosenrollen».© Anna Werner
Diverse Spielstätten

Plan B braucht sie keinen

Die junge, deutsche Mezzosopranistin Marlen Bieber wurde eben ins Ensemble der Oper Chemnitz aufgenommen. Nun besucht sie die Opernwerkstatt Sigriswil. Im Interview spricht sie über Stationen ihrer Laufbahn, Lutschpastillen – und die «Hosenrollen», die sie in Sigriswil interpretiert.


Marlen Bieber, wann und wie entstand bei Ihnen der Wunsch, Opernsängerin zu werden?
Die Grundvoraussetzung, also die Freude am Singen, bekam ich schon früh von meinen Eltern vermittelt: Wir sangen viel zuhause, und meine drei Schwestern und ich besuchten alle den Kinderchor. Mit 16, auf dem Gymnasium, nahm ich erstmals Gesangsunterricht. Ich wirkte in schulischen Musical-Produktionen mit, und meine Lehrerin erkannte offenbar ein gewisses Potenzial, denn sie empfahl mir, ein Gesangsstudium in Betracht zu ziehen. Der Wunsch keimte, und ich liess mich bei einer Lehrerin am Konservatorium Zwickau intensiv auf
die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Schliesslich klappte alles wie erträumt: Ich konnte das Studium in klassischem Gesang an der Hochschule für Musik in Dresden beginnen.

 

Warum Oper und nicht Musical?
Meine Stimme scheint sich für Operngesang von Natur aus besser zu eignen; jedenfalls fühlt es sich stimmiger an. Ich liebe aber auch diese ganzheitliche Körperlichkeit, diese Intensität, in der Emotionen und Energien freigesetzt werden. Für mich geht diese Erfahrung tiefer als in Musicals.

Was sind die Grundprinzipien Ihrer Gesangstechnik?
Der Atem steht im Zentrum. Während ich mir des permanenten Atemflusses bewusst bin, stelle ich mir eine «Atemsäule» durch den ganzen Körper vor, worauf sich die Töne legen. Natürlich gibt es unzählige weitere körperliche Einstellungen zu beachten, etwa in Bezug auf den sogenannten «Vordersitz» zwischen den Augen oder die Artikulation, doch am Ende sollten der Atem und der Körper mit der Emotion zu einer intuitiven Einheit verschmelzen.

Worauf kommt es bei einem Auftritt am meisten an?
Da mein Instrument der Körper ist, muss dieser gesund und leistungsfähig sein. Wenn ich bei einer Opern­aufführung auf der Bühne stehe, versuche ich den Charakter der Figur authentisch und jedes Mal neu und frisch zu verkörpern. Und auch in musikalischer Hinsicht – also auch bei Konzerten – gehe ich in ein Gefühl hinein, als ob ich die Partien zum ersten Mal singen würde. So entstehen aus dem Moment heraus nuancierte Variationen, die meine Mitmusizierenden und zuweilen auch mich selbst überraschen.

Wie halten Sie Ihren Körper und Geist fit?
Neben Spazierengehen, Fahrradfahren, Tanzen und Freundetreffen besuche ich zweimal die Woche eine
Yogagruppe. Yoga empfinde ich als wertvolle Kraftquelle, die mir als Ausgleich wie auch als unterstützende Praxis dient.

Haben Sie Rituale vor einem Auftritt?
Meine Lutschpastillen-Phase ist vorbei (lacht). Ich versuche mittlerweile, meine Vorbereitung auf einen Auftritt so schlicht wie möglich zu halten. Dazu gehören Basics wie Einsingen, ein paar Yogaübungen, Wasser trinken und was Kleines essen.

Welche Arien bringen Sie an die Opernwerkstatt Sigriswil mit?
Ich habe vier Arien aus meinem lyrischen Mezzosopran-Fach vorbereitet. Zwei davon sind Hosenrollen – also Partien, bei denen eine Sängerin mit tieferer Stimmlage eine männliche Figur darstellt. Konkret sind dies die «Geigenarie» des Nicklausse aus der Oper «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach und die Arie des Octavian, «Wie du warst!», aus der Komödie für Musik «Der Rosenkavalier» von Richard Strauss.

Hat sich Ihr Blick auf die Zukunft durch die aktuelle Krise getrübt?
Die Situation ist schon auch beängstigend, aber ich bin gleichwohl optimistisch. Aktuell habe ich das Privileg, dass ich als festes Ensemble­mitglied an der Oper Chemnitz aufgenommen wurde. Ich verfolge meinen Weg als Opernsängerin einfach Schritt für Schritt weiter, gebe mein Bestes, nehme an Wettbewerben teil und baue mir ein Netzwerk auf. An einen Plan B mag ich im Moment nicht denken.

Kirche Sigriswil
Mi., 13.10., 19.30 Uhr
Französische Kiche, Bern
14.10., 19.30
www.opernwerkstatt.com 

 
Festival der jungen Stimmen
Das Festival der jungen Stimmen Jedes Jahr lädt die künstlerische Gesamtleiterin der Internationalen Opernwerkstatt, Verena
 Keller, junge Sänger*innen und Gesangstalente aus dem In- und Ausland ein, um in Sigriswil während gut zwei Wochen eine szenische Operncollage einzustudieren. Für das dramaturgische Bühnenkonzept zeichnet heuer der deutsche Regisseur Wolfgang Naegele verantwortlich, als musikalischer Leiter agiert der französische Dirigent Yannis Pouspourikas.

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