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Neu in Bern: Geigerin Julia Semmler.© ZVG
Casino, Bern

Keine für halbe Sachen

Mit dem Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester bringt Julia Semmler diesen Herbst Mozart und Schostakovitsch auf die Bühne. Doch Geige ist nur eine ihrer Leidenschaften.

Julia Semmler sagt, Bern gefalle ihr. Sie mag die Velowege und dass die Strassen nicht so steil sind wie in Lausanne, wo sie ihren Bachelor in Geologie machte. Ausserdem sei sie von Bern aus auch schnell überall sonst, etwa im zürcherischen Hinwil, wo sie aufwuchs und regelmässig ihre Familie besucht, oder für eine Probewoche in St. Moritz, wo sie diesen Oktober mit dem Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester SJSO für die Herbsttournee probte. Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur und Schostakowitschs Sin­fonie e-Moll Nr. 10, op. 93 stehen auf dem Programm, das schweizweit siebenmal auf die Bühne kommt, diesen Samstag auch im Casino Bern.

Gefragte Bratsche

Seit Februar lebt und studiert Julia Semmler in Bern, seit September musiziert sie im Uniorchester: «Ich habe einfach ein Vorspiel-Video von mir eingeschickt.» Man lud sie sofort ein, auch, weil sie neben ihrem Erstinstrument Geige auch das Bratschenspiel beherrscht. «Das suchte das Uniorchester dringend.»

Im SJSO spielt Julia Semmler Geige, zudem spielt sie auch Klavier, und nebenher engagiert sie sich im WWF und geht an Klimastreiks. Und: Mit nur 21 Jahren hat sie bereits ihr Masterstudium in Geologie begonnen. Ein beeindruckendes Repertoire, ein beeindruckendes Tempo: «Ich ziehe Dinge gerne durch», sagt sie dazu und lacht, gestresst wirkt sie nicht. Eher voller Energie und Freude an dem, was sie tut. Geige spielt sie, seit sie 6 ist, Klavierunterricht kam mit 7 Jahren dazu, das Bratschespielen brachte sie sich selber bei: «Am schwierigsten ist der andere Notenschlüssel. Dass die Bratsche grösser ist als die Violine, daran gewöhnte ich mich schnell», sagt sie.

Weder Medizinerin noch Musik­studentin

Semmler gehört im SJSO zu der Minderheit von Nicht-Berufsmusiker*innen. Es sei lustig, sagt sie, die meisten der knapp 100 Orchestermitglieder, die keine professionelle Musikkarriere anstrebten, seien Studierende der Medizin. Nur eine Handvoll studiere wie sie weder Musik noch Medizin: «Ich bin eine Minderheit in der Minderheit.» Julia Semmler stammt aus einer musikalischen Familie, ihre Eltern lernten sich im akademischen Orchester der Uni Zürich kennen, die Mutter spielte Klarinette und Geige, der Vater Schlagwerk und Klavier. «Sie waren Laien, es war ihr Hobby.» Selber professionelle Musikerin zu werden, daran dachte Julia Semmler aber schon. Die Begabung bringt sie mit, und dies nicht nur als Interpretin. So komponierte sie als Maturaarbeit ein Quartett für Klavier, Geige, Bratsche und Cello, «inspiriert vom Klavierquartett von Brahms». Bis heute komponiere sie kleinere Stücke für ihren Grossvater, der in einem Streichquartett spielt.

Am liebsten im tutti

«Die Entscheidung für oder gegen Musik als Beruf fiel mir nicht leicht, aber der Druck, es schaffen zu müssen, war schliesslich zu gross.» Als sie sich dagegen entschied, fiel eine grosse Last von ihr ab. Sie spiele viel lieber aus Freude, am liebsten in einem Orchester. «Alleine vorspielen, solo, das liegt mir nicht – ich liebe es im tutti, mit allen.» Mit dem Entscheid für ein naturwissenschaftliches Studium könne sie beides –ihr Interesse an Umweltfragen und die Musik – unter einen Hut bringen. Meistens zumindest. Doch aus­gerechnet beim Berner Auftritt des SJSO wird sie nun nicht dabei sein. Dann leitet sie ein Jugendlager des WWF. Ansonsten wird man in Bern bestimmt noch einiges von Julia Semmlers musikalischer Seite hören.

Casino, Bern
Sa., 30.10., 19.30 Uhr
www.sjso.ch
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