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Musikwissenschafterin Doris Lanz.© ZVG
Casino, Bern

Dramatiker im Doppel

Sie kennt die Entstehungsgeschichte der «Symphonie fantastique»: Am 6. Symphoniekonzert von Bühnen Bern führt Doris Lanz in Werk und Leben von Berlioz und dem jüngeren Brahms ein. Pianist Nikolai Lugansky spielt.

Er versteht sich auf die grossen Klassiker des romantischen Orchesterrepertoires: Der Moskauer Pianist Nikolai Lugansky. Er hätte unter der musikalischen Leitung des jungen St. Petersburger Maestros Stanislav Kochanovsky spielen sollen. Dieser fällt aus, es übernimmt der Hausdirigent ­Nicolas Carter.

«Fantastique!» heisst nun das Programm. Namesgebend für das 6. Symphoniekonzert der Saison ist die gleichnamige «Symphonie fantastique» von Hector Berlioz aus dem Jahre 1830. Neben ihr steht das erste Klavierkonzert in d-Moll von Johannes Brahms auf dem Programm.

Zwei dramatische Komponisten

Brahms und Berlioz – eine Paarung, die passt? Jein. Zwar ist unweigerlich eine gewisse Dramatik in beiden Werken zu finden. Und beide sind für ihre jeweilige Zeit doch eher unkonventionell, sprengen Formen und Regeln des 19. Jahrhunderts. Doch hatten die Komponisten, die zeitlich überschneidend lebten und arbeiteten, jedoch örtlich getrennt wirkten, nie wirklich miteinander zu tun.

«Eine direkte musikalische Brücke von Berlioz zu Brahms lässt sich tatsächlich schwer schlagen», sagt auch Musikwissenschafterin Doris Lanz, doch sei dies auch nicht die Absicht des Konzerts. Sie wird jeweils eine Stunde vor den Konzerten eine Konzerteinführung machen. Sie versuche, mit ihrem Hintergrundwissen den Zuhörenden Inputs zu geben, sagt sie, «für ein anderes, tieferes, vielleicht detaillierteres Musikhören».

Fünf statt vier Sätze

So wird Lanz beispielsweise darüber sprechen, über wessen stürmische Liebe Berlioz mit nur gerade 26 Jahren gleich fünf statt der herkömmlichen vier Sätze komponiert hatte; wie Berlioz versuchte, vermutlich nach dem literarischen Vorbild E. T. A. Hoffmann, die Grenzen zwischen Irrationalem und Rationalem, zwischen Traum und Wirklichkeit, Rausch und Nüchternheit musikalisch umzusetzen. Oder wie überrascht sie war, dass Brahms schon mit seinem ersten Klavierkonzert die Konventionen der damaligen Klassik sprengte; dass er viele Jahre daran gearbeitet hatte, und dass sich ein mehrmaliges Hören durchaus lohnt, wenn man die überraschend komplexen Strukturen und wiederkommenden Themen erkennen möchte. Dies, und noch einiges anderes, wird die Musikwissenschafterin gerne weitergeben. Eine Stunde früher ins Casino zu gehen, dürfte sich lohnen.

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