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Leopold Dick vor seinem Werk.© ZVG
Französische Kirche, Bern

Auftakt zur «Grand Opéra Tell»

Tell in musikalisch neuem Kleid, gesangliche Sprachreisen durch die Schweizer 
Sprach­regionen und eine spannende Mischung aus Konzertchören, Solisten und zwei Uraufführungen: Das bietet das Konzertprogramm «Schweizer Vokalmusik vom 
19. bis 21. Jahrhundert».

Veranstaltungsdaten

SO 03.10.2021 17.00

Eine «klangszenische Phantasmagorie» – so bezeichnet der Schweizer Komponist Leopold Dick seine neue Klangschöpfung «Grand Opéra Tell» für Sprechstimme, Bariton, Solisten, zwei getrennte Chöre und Instrumentalensemble.

Das Stück ist eine parodistische Reflexion über den 
Wilhelm-Tell-Mythos einerseits und den Opernbetrieb in Zeiten von Corona andererseits. Während sich der Text und die Handlung ironisch mit ikonischen Motiven wie etwa dem Rütlischwur oder dem Apfelschuss auseinandersetzen, erklingen in der Musik zuweilen bekannte Passagen aus der Oper «Guillaume Tell» von Gioachino Rossini in fragmentierter und verfremdeter Form.

Diese Mini-Oper entstand als Auftragskomposition im Rahmen des Projekts «Schweizer Vokalmusik vom 
19. bis 21. Jahrhundert». Die Uraufführung ist der Schluss- und Höhepunkt des Konzertprogramms, das Willi Derungs, Dirigent und künstlerischer Leiter des Vereins Musica Classica in Kooperation mit Dr. Maria Cáceres und Dr. Caiti Hauck von der Universität Bern zusammengestellt hat. Derungs nennt den Ablauf des Konzerts eine «Tour d’Horizon», die die «Vielfalt und Reichhaltigkeit» der Schweizer Vokalmusiklandschaft der letzten 150 Jahre bis heute abbilde.

Träume vom Rütli

Um die Gesangswerke der neun ausgewählten Schweizer Komponisten darzubieten, treten in wechselnder Besetzung der Konzertchor Canto Classico, der «Chœur de Chambre de l’Université de Fribourg», der Bariton Christian Hilz, der Pianist Christoph Zbinden, acht Gesangssolisten und das Instrumentalensemble Vertigo der Hochschule der Künste Bern (HKB) auf. Einen kurzen Gastauftritt absolviert die Fachbereichsleiterin Musik der HKB, Graziella Contratto, die als Conférencière in Dicks Tell-Adaption die chaotischen Zustände auf der Bühne kommentiert und dabei von einer gloriosen Freilicht-Aufführung auf dem Rütli träumt.

«Auch wenn es uns ein zentrales Anliegen war, weniger bekannte Komponisten vorzustellen, so konnten wir zwei der bedeutendsten Schweizer Komponisten – Othmar Schoeck und Heinz Holliger – nicht übergehen», sagt Willi Derungs. Von den beiden gibt es mehrere Sololieder aus Werkzyklen zu hören: Der deutsche Bariton Christian Hilz interpretiert Schoecks Liederfolge nach Gedichten von Gottfried Keller, «Gaselen op. 38», und die Aargauer 
Sopranistin Nicole Wacker vier Lieder aus Holligers Zyklus «Sechs Lieder nach Christian Morgenstern».

Vielsprachig und «vieltönig»

Eine Zielsetzung des Projekts sei auch die «Überbrückung des Rösti­grabens» gewesen, so Derungs. Deshalb habe man einen Kompositionsauftrag an den Freiburger Komponisten Jean-François Michel vergeben. Auf der Grundlage des Gedichtbandes «L’Effraie» von Philippe Jaccottet schuf dieser das Werk «Je sais maintenant que je ne possède rien», das ebenfalls an diesen Konzerten aus der Taufe 
gehoben wird. Weitere französischsprachige Stücke, die die Musiker*innen präsentieren, sind die humoristischen Miniaturen «Les comptines de l’oiselier» von Jean Binet und drei Lieder aus «Rondes et Ballades Françaises» von Emile Jaques-Dalcroze.

Und schliesslich betone laut 
Derungs auch noch ein Abstecher 
ins Bündnerland – in die Heimat des Dirigenten – die Viersprachigkeit der Schweiz. Vom Pianisten Christoph Zbinden begleitet, bringen die beiden Chöre vier Gesänge aus dem Zyklus «L’alva» des Bündner Komponisten Gion Antoni Derungs zu Gehör. Wie der Dirigent ankündigt, werden diese Gesänge das Publikum mit impressionistischer Klangmalerei in «mystisch-
romantische Welten» entführen.

Nebst den Konzerten findet an der Universität Bern eine zwei-tägige Tagung zum Thema «Chorleben in der Schweiz, 19.–21. Jahrhundert» statt mit drei Hauptreferaten von Gast-dozenten, 14 Kurzbei-trägen und einem Round Table mit den Komponisten Leopold Dick und Jean-François Michel.

Aula Muesmatt, Universität Bern
Fr., 17.9., 10 bis 18 Uhr
Sa., 18.9., 9.30 bis 17 Uhr
www.clefni.unibe.ch

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