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Im indonesischen Kurzfilm «A Gift» von Aditya Ahmad lebt Isfi ihre Identität unter ihren eigenen Bedingungen. © ZVG

Vom Lieben und Sein

Das Queersicht-Filmfestival muss kurzerhand auf Streaming umstellen und präsentiert online ein Programm von Kurz­filmen aus der ganzen Welt von der und über die queere Gemeinschaft.

Ryan arbeitet tagsüber in der Garage seines Vaters als Mechaniker. Statt abends mit seinem Arbeitskollegen durch die Stadt zu ziehen, lebt Ryan in der Disco seine weibliche Seite aus. Mit einer Freundin diskutiert Ryan vor dem Club über einen passenden weiblichen Namen, als ihm plötzlich sein Arbeitskollege begegnet. Ryan gerät in Panik und befürchtet, als Transfrau geoutet zu werden.

Davon handelt der amerikanische Kurzfilm «Miller & Son» (2019) von Asher Jelinsky. Der Film lässt das Pu­blikum die Unerträglichkeit und Nervosität am Tag nach dem Vorfall in der Werkstatt spüren, als die Trennung seiner zwei Lebenswelten zu scheitern droht.

Queersicht geht online

«Miller & Son» ist einer der Kurzfilme, der am Queersicht im Kino hätte gezeigt werden sollen. Am LGBTI*-
Filmfestival dreht sich alles um das queere Kino. Gezeigt werden Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme, die es meist nicht ins reguläre Kinoprogramm schaffen. Wegen der aktuellen Lage hat das Festival kurzerhand auf Streaming umstellen müssen: Alle Kurzfilme werden nun online zur Verfügung gestellt.

Zwei Geschenke, zwei Welten

Zum Festivalprogramm gehört auch der indonesische Kurzfilm «A Gift» (2018) des Regisseurs Aditya Ahmad, der am Venice Short Film Festival zum besten Kurzfilm gekürt wurde. Es ist die Geschichte von Isfi, die sich in Männerhosen wohlfühlt und von ihren männlichen Freunden als einer von ihnen wahrgenommen wird. Gleichzeitig muss sie sich mit Rock und Hijab tarnen, wenn sie ihre Freundin besuchen will. Zu Hause schlägt ihr Vater sie, wenn sie die ihr als Mädchen zukommenden Arbeiten im Haushalt nicht erledigt. In diesem kurzen, im Stil eines Dokumentarfilms gedrehten Werk sucht Isfi, die unter ihren eigenen Bedingungen ihre Identität lebt, je ein Geburtstagsgeschenk für ihre Freundin und für einen ihrer Freunde – und muss dabei sowohl Schönes wie auch Erschütterndes erleben.

Eine Liebe von früher

Ein weiterer berührender Kurzfilm ist «Strangers» (2019) des australischen Filmemachers Jamieson Pearce. Als zwei Altersheimbewohnerinnen im Bett Zärtlichkeiten austauschen, werden die Kinder der einen Frau hergebeten, um die «Angelegenheit» zu besprechen. Im Gespräch mit ihrer dementen Mutter ahnen sie, dass ihre Mutter vor Jahren wohl eine Beziehung mit einem ihrer Kindermädchen hatte. «Strangers» ist somit nicht nur eine herzbewegende Geschichte über eine geheime Liebe, sondern auch eine etwas zynische Darstellung vom Umgang der Angehörigen mit ihren dementen Verwandten.

www.queersicht.ch

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