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Alles ist ihm neu: Patient Nr. 14 842© Trigon Film
Kino Rex, Bern

Vergiss und find dich neu

Eine möglicher Alternative, die Abgründe eines unfreiwilligen Neubeginns und eine grassierende Amnesie: «Apples – Mila» ist ein Film über das Leben in der Ausnahme.

Ein Busfahrer weckt den Griechen mittleren Alters. Er ist ohne Ausweis und weiss nicht, wer er ist. Die Ambulanz kommt umgehend. Er ist Patient Nr. 14 842 in dieser eigentümlichen Amnesie-Pandemie. Weil ihn niemand sucht, wird er ins Programm «Erlerne das Leben» vom Institut für neue Identität aufgenommen. Instruktionen dazu, wie er sich neue Erinnerungen zulegen kann, erhält er ab Tonband. Mit Fotografien soll er sein neues Leben dokumentieren. Selten nur erhellt ein Lachen sein nachdenkliches und trauriges Gesicht, ausser Äpfel bereitet ihm kaum etwas Freude. Und kochen, hat er nicht verlernt. Ansonsten ist da nur Einsamkeit, Verlorenheit, und überall sind andere, die wie er stoisch Porträts ihres neuen Selbst knipsen. Erst als der Gemüsehändler davon spricht, dass Äpfel das Gedächtnis stärken, tut sich etwas.

 

Banaler Ausnahmezustand

Regisseur Christos Nikou hat vor Corona seinen Spielfilm geschrieben und dennoch erschreckend gut die Pandemiestimmung eingefangen: Alles ist gespenstisch banal innerhalb des Ausserordentlichen. Auch die Ver­heissung des Neuanfangs verblasst schnell. Ein hochästhetischer, in den Details amüsanter, kluger und einfühlsamer Kommentar zur so übermässig gepriesenen Selbstverwirklichung unserer Zeit.

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