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Sich selbst im Blick, im Gefüge der Frauen vor ihr: Johanna Faust.© Johanna Faust
Kino Rex, Bern

Selbstverwirklichung oder Selbstaufgabe?

Johanna Faust stellt in ihrem kunstvollen Filmessay «I’ll be your Mirror» sehr persönliche Fragen zum Thema künstlerische Berufung und mütterliche Pflichten.

Wie wirkt die Biografie der Urgrossmutter, Grossmutter und Mutter auf den eigenen Lebensentwurf? Das fragt sich die Basler Regisseurin Johanna Faust aus offensichtlichen Gründen in ihrem sehr persönlichen Filmessay «I’ll be your Mirror». Die Künstlerin erwägt, für ein Master-Kunststudium nach Oxford zu ziehen und ihre drei Kinder bei ihrem Mann in Berlin zu lassen. Auch Fausts Grossmutter zog die Kunst ihren Kindern vor: Sie wuchsen nicht bei ihr auf.Ein Trauma, das Johannas Mutter Margaret ihr ganzes Leben lang geprägt hat. Die psychisch angeschlagene Frau sieht durchaus Parallelen im Vorhaben ihrer Tochter Johanna. Als Margaret, eine trotz ihrer Verletzlichkeit stark wirkende Frau, aus den USA anreist­­­ – ihrem Heimatland, in das sie zurückgekehrt ist, als ihre Tochter 18 Jahre alt wurde – und Johanna sie mit Fragen löchert, hat sie wenig Lust, sich zu öffnen. Nach und nach entfaltet der Film noch weitere Stränge: Auch die Urgrossmutter der Regisseurin war ein Freigeist und stemmte sich gegen die Erwartungen, die an sie als Mutter gestellt wurden. Faust ist in einer privilegierteren Situation, hat sie doch einen Mann, der sie voll und ganz in ihrem Vorhaben unterstützt. Trotzdem entscheidet sie sich schliesslich gegen das Studium – aber für ihre erste Filmarbeit.

 

Die grosse Leere

Die 47-jährige Faust, die mit 20 zum ersten Mal Mutter geworden ist, hat das Gefühl, mit ihr stimme etwas nicht, weil das wilde Herumtoben ihrer beiden süssen Jungs in ihr nichts als eine grosse Leere hinterlässt. Sie, die schon als Teenager Zuflucht in der Malerei fand, als ihre Mutter apathisch und mit sich selbst beschäftigt auf dem Sofa lag und ihr Vater aus ihrem Leben verschwand, fragt sich, was schlimmer sei: Bei den Kindern bleiben, aber tod­unglücklich sein, weil sie nicht ihrer Kunst nachgehen kann, oder ihrer Kunst nachgehen und ihre Kinder verlassen? Selbstverwirklichung oder Selbstaufgabe?

Unbequem und intim

Der Debütfilm von Faust beleuchtet diese unbequemen Themen auf intime Weise, erzählt in kunstvoller Form. So filmt die Regisseurin immer wieder auch sich selbst, schwenkt mit der Kamera von Kopf bis Fuss über ihren Körper, als wolle sie jede Pore, jede Gefühlsregung erforschen. Der Dokumentarfilm ist schliesslich selbst Teil des Experiments, ob es möglich ist, Familie und Berufung unter einen Hut zu bringen: Johanna Faust nimmt für ihre filmische Spurensuche in den USA und Mexiko ihren Mann und ihre Kinder mit. Gegen Ende von «I’ll be your Mirror» rückt Faust konsequenterweise ihre eigene Tochter Mayka ins Zentrum. Dabei interessiert sie das familiäre Muster. Was hat es mit Mayka gemacht, dass ihre Mutter sie, als sie ein kleines Mädchen war, während vier Monaten bei ihrer Grossmutter in den USA gelassen hat?

Demnächst bei Quinnie
www.yourmirror-film.ch

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