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Blick ins Weltall, oder in eine Welt, die nur ihnen gehört: «Gagarine» ist ein wunderbar poetischer Film über die Widerstandskraft der Jugend. © Filmcoopi
Kino Rex, Bern

Einmal schwerelos

«Gagarine» erzählt die Geschichte eines jungen Bewohners der «Cité Gagarine» am Rande von Paris, die gesprengt werden soll. Ein Film voller Schönheit und Poesie.

Einmal schwerelos sein und die Welt von oben sehen, davon träumt Yuri (Alséni Bathily). Konfrontiert mit dem bevorstehenden Abriss der sozialistischen Wohnburg «Cité Gagarine», benannt nach dem sowjetischen Kosmonauten, schafft sich der 16-Jährige seinen eigenen Kosmos. Während seine Nach­barinnen und Freunde nach und nach ausziehen, zieht sich Yuri in seine in einer leeren Wohnung sorgfältig errichtete Weltraumkapsel zurück und baut sein eigenes Gemüse an. Es scheint, als flüchte sich Yuri in eine Fantasiewelt, auch um seiner Einsamkeit zu entfliehen. Yuris Mutter liess ihn zurück, um mit einem Mann zusammenzuziehen. Mit seiner Freundin Diana (Lyna Khoudri) schafft er es, seine Höhenangst zu überwinden, und kann beinahe nach den Sternen greifen: Während draussen der Countdown für die Sprengung der Wohnsiedlung am Rande von Paris läuft, hebt Yuris Rakete ab.

Der Wohnblock als Satellit

«Gagarine» ist ein collageartiger Film von Fanni Liatard und Jérémy Trouilh, die ursprünglich aus der Dokumentarfilmecke kommen. Die beiden schufen ein fabelhaftes und grafisch vollendetes Werk zwischen Coming-of-Age-Drama und Science-Fiction. Sie drehten in der echten «Cité Gagarine», die kurz nach den Dreharbeiten 2019 gesprengt wurde. Der Film zeigt eine andere Banlieu, als man sie aus Filmen wie «Les misérables» kennt: Die Bewohner*innen sind fürsorglich, die Jugendlichen sind keine Kriminellen, sondern schlicht jugendlich. Der grotesk grosse Block mit seinen roten Backsteinmauern ist dermassen äste­thisch in Szene gesetzt, dass er in seiner Anmut kaum übertroffen werden kann. Mit einer berührenden Poesie lässt das Regieduo Traum und Realität verschmelzen. So wird die Detonation zur Rakete, Schneeflocken zu Planeten und der Wohnblock zum Satelliten. Der Film ist eine sanfte, melancho­lische Ode an die Fantasie und die Widerstandsfähigkeit der Jugend.

 

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