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Mai untersucht filmisch die Umarmung und Verschränkungen der Generationen.© Sister Distribution

Das Pech nicht weitergeben

Im Dokumentarfilm «Les Rivières» begibt sich Regisseurin Mai Hua auf die Suche nach Antworten in ihrer eigenen Familiengeschichte. Die Franko-Vietnamesin filmt sich, ihre Mutter und Grossmutter sowie ihre Kinder und zeigt intimste Auseinandersetzungen.

In wohl jeder Familiengeschichte steckt irgendwo ein Trauma, aber auch Freude, Liebe oder Verachtung. Auch in derjenigen der französisch-vietnamesischen Bloggerin und Filmemacherin Mai Hua. In ihrem Dokumentarfilm «Les Rivières» (2019) filmt sie Frauen ihrer Familie aus vier Generationen: ihre Grossmutter, Mutter, sich und ihre Tochter. Sie richtet die Kamera auf ihre weiblichen Familienmitglieder, und lernt diese, aber vor allem sich selbst, neu kennen.

Es beginnt alles im Jahr 2013. Ihre 90-jährige Grossmutter ist dement, extrem schwach und pflegebedürftig. Ein Leben lang hat sie in Frankreich gelebt, um ihren Lebensabend in ihrer Heimat Vietnam verbringen zu können. Doch sie ist unglücklich und schwelgt in Erinnerungen an Paris. Also beschliessen Mai und ihre Mutter, gemeinsam mit Mais Kindern, die Grossmutter zurück nach Frankreich zu bringen. Ein schwieriges Unterfangen, besonders, weil sie Mais Grossvater, der sich im Wachkoma befindet, in 
Vietnam zurücklassen müssen.

Mütter und Töchter finden sich wieder

Einige Monate später geht es der Grossmutter wie durch ein Wunder viel besser. Sie wirkt wieder anwesend. Mai ist ihrer Grossmutter, die sie
eigentlich nie recht kannte, nahgekommen. Was jetzt passiert, sind schöne Momente, aber genauso wütende Auseinandersetzungen zwischen Müttern und Töchtern, welche in intimen und emotionalen Aufnahmen festgehalten werden. Dabei hat Mai stets den eigentlichen Anstoss fürs Filmen im Hinterkopf: Die Angst davor, ihrer Tochter das leidige Vermächtnis ihrer weiblichen Vorfahren weiterzugeben. Schliesslich haben diese mit Männern nur Pech gehabt, wie sich während des Films herausstellt.

Ihre Grossmutter durfte nicht denjenigen heiraten, den sie wollte, ihre Mutter war unglücklich mit Mais Vater und hatte einen Alkoholiker als Freund. Mai selber ist Alleinerziehende von zwei Kindern. Sie will nicht ihre Kinder verlassen, so wie es ihre Mutter mit ihr vor Jahren tat.

«Les Rivières» sucht im Stammbaum nach Erklärungen für eigenes Handeln und Sein und ist, durch das Wiederkäuen, aber auch Aufdecken der Familienvergangenheit, gemeinsam mit Grossmutter, Mutter und Kindern, im Grunde genommen eine Selbstfindung der Filmemacherin.

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