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Sasha erlebt einen unbeschwerten Moment mit ihrer Mutter Karine. © Praesens-Film

Das Mädchen Sasha

Im Dokumentarfilm «Petite Fille» porträtiert Regisseur Sébastien Lifshitz die siebenjährige Sasha, welche im Körper eines Jungen geboren wurde.

Es sind «les grandes vacances» in Frankreich: Sasha verbringt mit ihrer Mutter und ihren zwei Brüdern einen Tag am Strand und rennt in einem dunkelroten Bikini aufs Meer zu. Die Aufnahmen sind von flimmerndem Licht durchzogen und vermitteln Leichtigkeit. Doch der Zustand der Unbeschwertheit ist für die Siebenjährige nicht von langer Dauer: Nach den Sommerferien wird sie wieder als Junge die Schulbank drücken müssen.

 Diagnose als Befreiung

«Sasha fühlt sich nicht wie ein Mädchen. Sasha ist ein Mädchen.» Immer wieder muss Mutter Karine die Geschlechtsidentität ihrer Tochter erklären. In einer Stadt im nordöstlichen Teil Frankreichs ist das Denken in einem biologischen Junge-MädchenRaster tief verankert. Sébastien Lif­shitz richtet die Kamera in «Petite Fille» einerseits auf die Familie und das Zuhause von Sasha als Ort bedingungs­loser Akzeptanz und Liebe, begleitet sie aber auch nach ausserhalb, dorthin, wo sie Gefahr läuft, verletzt zu werden.

Während Sasha ihre Zugehörigkeit zum biologischen Geschlecht, schon seit sie sprechen kann, ganz selbstverständlich infrage stellt, besteht der Rektor ihrer Schule darauf, sie nach wie vor als «männlich» zu kategorisieren. Deshalb wird sie von ihren Lehrpersonen und Mitschülern als Junge angesprochen und traut sich nicht, das zu tragen, was sie am liebsten trägt: ein Kleid. Erst der Besuch bei einer Kinderpsychiaterin in Paris, die bei ihr eine Geschlechtsidentitätsstörung diagnostiziert, bringt Erleichterung: Fortan kann sie nun offiziell als Mädchen gemeldet werden und traut sich in der Schule, was sie zuhause schon lange tut: sich selbst zu sein.

Nicht allein

Menschen, die gegen das kämpfen, was ihnen auferlegt wird, sind kein neues Thema für Lifshitz: So beschäftigte er sich bereits in seinem Film «Bambi» mit Frankreichs erster in der Öffentlichkeit bekannter, gleichnamiger Transperson mit Jahrgang 1933. In «Petite Fille» zeigt er nun die Perspektive eines Kindes, welches sich tagtäglich mit Identitätsfragen beschäftigen muss.
Tabea Andres

Zu sehen bei Quinnie on Demand
www.quinnie.cinefile.ch

 

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