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Auf hoher See, aber auch im Niemandsland: Protagonist Ivan aus «Ostrov».© DokLab

Bis an die Ränder der Welt

Das 52. internationale Filmfestival Visions du Réel Nyon zeigt Dokumentarfilme aus 58 Ländern. Was das vielfältige Programm eint, ist der radikal subjektive Blick auf die Welt und ihre Enden.

Einblicke in andere Leben und Realitäten sind gerade Mangelware. Nicht so am Festival Visions du Réel in Nyon, das wie bereits im vergangenen Jahr vorwiegend virtuell stattfindet. 182 Dokumentarfilme aus aller Welt stehen auf dem Programm der diesjährigen Ausgabe, die den subjektiven Blick der Filmschaffenden in den Mittelpunkt stellt. So verzichten die präsentierten Filme grossteils auf erschöpfende 
Erklärungen und setzen stattdessen ganz auf die Universalität menschlicher Emotionen und Empfindungen.

Aus der Zeit gefallen

Neben internationalen Filmen, die am Festival Weltpremiere feiern, ist auch viel hiesiges Schaffen erstmals zu sehen. So etwa «Ostrov», eine russisch-schweizerische Zusammenarbeit. Der langsame Film erzählt vom kargen Leben der Menschen auf der gleich­namigen Insel im Kaspischen Meer. Dabei verlassen sich die Filmschaffenden Svetlana Rodina und Laurent Stoop ganz auf die Landschaft und die Gesten, Gesichter und Stimmen der Protagonisten. Seit dem Ende der Sowjet­union von Russland vergessen, leben diese von illegalem Fischfang und verbringen ihre Tage zwischen Resignation, Nostalgie und dem Wunsch, die Insel zu verlassen. Die in Moskau lebende Filmerin Rodina und der Westschweizer Stoop, filmischer Direktor der preisgekrönten Dokumentation «Citizen Khodorkovski» (2015), zeichnen das Porträt einer Region, die der Welt abhanden gekommen ist. Produziert hat den Film die Berner Firma Doklab.

Globalgeschichte im Kleinen

Alles andere als aus der Zeit gefallen ist hingegen der filmische Essay «Parallel Lives» des Schweizer Regisseurs und Produzenten Frank Matter. Darin begleitet er vier Menschen, die wie er am ­­­­
8. Juni 1964 zur Welt kamen – allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Paris, einer Township in Südafrika, einer chinesischen Hafenstadt und einem US­ Armee-Stützpunkt in Deutschland. Matter folgt ihren Lebensläufen und setzt diese zu seinen eigenen Entscheidungen, Träumen und Enttäuschungen in Beziehung. Globalhistorische Ereignisse und Umbrüche wie die Mondlandung, das Ende der Apartheid oder der 11. September bilden den gemeinsamen Hintergrund der sehr unterschiedlichen Biografien. Die Dreh­arbeiten des Films, der von der Berner Firma Recycled TV produziert wurde, waren vor der Pandemie abgeschlossen. Der Stillstand muss eine tiefe Zäsur im Leben dieser späten Babyboomer sein, deren bisherige Existenzen von Wachstum, Tempo und Beschleunigung bestimmt waren. Die Fortsetzung bleibt nun ungewiss.

Do., 15.4. bis 24.4., online
www.visionsdureel.ch

Wir verlosen 2 × 1 Festivalticket für das internationale Filmfestival Nyon Visions du Réel (Anmeldeschluss Do., 15.4., 16 Uhr)

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