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Andri Schenardi und Barbara Heynen als Robert und Marie verbindet eine nie ausgelebte Liebe.© David Röthlisberger
Heitere Fahne, Wabern

«Verdruckte und verwurgete» Liebe

Theater Marie inszeniert das Mundartstück «Marie und Robert» von Paul Haller aus dem Jahr 1917 – in prekären Platzverhältnissen und mit einem starken Ensemble. Ist die Familie da, wo klar ist, wer Mutter, Vater und Kinder sind, oder da, wo sich das Herz zu Hause fühlt? Dass diese beiden Definitionen von Familie nicht immer deckungsgleich sind, davon handelt viel Literatur und Theater.Das Theater Marie thematisiert diese Frage mit dem Mundartstück «Marie und Robert» von Paul Haller. Zwischen den beiden titelgebenden Charakteren steht nämlich eine nie ausgelebte Liebe im Raum, oder wie es Robert ausdrückt, eine Liebe, die er zehn Jahre «verdruckt und verwurget» hat. Er zog aus auf unbestimmt und darum hat Marie den Wirt und Trinker Theophil Leder geheiratet. Doch weder Distanz, Zeit noch die klassische Definition von Familie schaffen den Gefühlen der beiden Abhilfe. Robert ist zurück und verbringt die Tage mehr als er sie lebt mit seiner alten, kränklichen Mutter in einer Wohnung, deren Hypothekeninhaber zu allem Übel der Wirt ist, den Robert einen «Hochmuts­esel» nennt. Mit Zuspitzung der Ereignisse benimmt sich auch letzterer
zusehends wie ein «gchrüselets Hornussi». Robert, dem die Finanzen keine Ruhe lassen und der «das ewig Undedure» auf engstem Raum nicht mehr erträgt, versucht einen Ausweg zu finden. Mit dem Ergebnis, dass alles aus den Fugen respektive unter den Pflug gerät.

Hochgelobtes Ensemble

Das Theater Marie ist dem Naturalismus von Haller verpflichtet geblieben: Mit Bühnenbild und Kostümen unterstreichen der Dramaturg Patric Bachmann und der Regisseur Olivier Keller in ihrer Inszenierung das 100-jährige Bestehen der reichhaltigen und wenig gekürzten Textvorlage. Die beklemmende Wohnsituation haben sie in einem Wohnwagen zusätzlich verknappt. Dieser offenbart sich in seiner ganzen Enge dem Publikum – aber schrittweise. Nebst diesem inszenatorischen Kniff und einer filmischen Vertiefung zum Thema Familie in unserer Zeit verleiht das von der «NZZ» hochgelobte Ensemble mit Andri Schenardi, Barbara Heynen, Suly Röthlisberger und Michael Wolf dem 1917 uraufgeführten Stoff eine wichtige Prise Gegenwart.

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