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Nackt und dampfend tanzt Doris Uhlich in einem übergrossen Reagenzglas.© Axel Lambrette
Dampfzentrale, Bern

Sie tanzt im Tank

Die österreichische Choreografin Doris Uhlich tanzt beim Festival Expop in der Dampfzentrale in einem Tank. Science-Fiction-Streifen liegen ihrer Performance zugrunde.

Corona setzte uns hinter Glas. So schützten sich etwa Talkgäste im Fernsehen hinter aufgestellten Plexi­glas-Scheiben. Die zeitgenössische Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich konzipierte ihr Stück «Tank» allerdings bereits vor drei Jahren, also noch vor der Pandemie. Vom Berliner Kunstkollektiv Proper Space liess sie eine Art überdimensioniertes Reagenzglas anfertigen, in dem sie selbst – fast wie ein Virus – mutiert. Dabei bewegt sie sich energetisch in dem Tank, der gerade mal einen Meter Durchmesser hat. DJ Boris Kopeinig liefert live die Musik zum Stück, das in der Dampfzentrale im Rahmen des neuen, transdisziplinären Festivals Expop zu sehen sein wird. «Extending, expanding, experiencing and experimenting within pop» – also «verlängern, ausdehnen, erfahren und experimentieren innerhalb von Pop», will der Anlass.

Dampfende Tänzerin

Uhlich, die 1977 in Oberösterreich geboren wurde und in Wien Pädagogik für zeitgenössischen Tanz studiert hat, passt da ganz gut rein. Die Künstlerin scheut sich nicht, den Song «Eye of the Tiger» mit Tanzschritten aus dem klassischen Ballett zu kombinieren oder in die Rolle eines kräftig gebauten Schwans zu schlüpfen und dabei den Klassiker «Schwanensee» durch den Fleischwolf zu drehen. So geschehen in «Rising Swan», einem Stück, das sie bereits 2011 in der Berner Dampfzentrale zeigte.

Mit ihrer für den klassischen Text eher üppigen Figur musste sie sich während ihrer Ausbildung behaupten, heute ist sie ihr Markenzeichen. So lässt sie auch mal, in bewusst grotesker Weise, ihren Körper wabbeln, um barocke Lebenslust zu zelebrieren. «Im Stück ‹Tank› kommt die Nebelmaschine zum Einsatz und ich werde selber dampfen», verrät die Tänzerin. Nackt wird sie hinter Glas agieren und sich verausgaben. «Ich mutiere mal zum Insekt, mal zur Pflanze oder zu einem Roboter», sagt sie.

«Super, dass der Mensch stinkt»

Inspirieren lassen hat sich Uhlich unter anderem von Science-Fiction-Filmen, wie «Alien», in denen mit Lebensformen experimentiert wird, beziehungsweise gefährliche Mutationen weggesperrt werden. «Unser Körper ist längst zum Experimentierfeld geworden», so Uhlich. «Body Enhancement», Prothetik und Transhumanismus faszinieren die Choreografin. Künftig werde der Mensch wohl noch viel stärker mit Technologie verschmelzen. «Wir sind alle fast physisch mit unseren Mobiltelefonen verbunden.» Diese Tatsache könne man als eine Art Körpererweiterung begreifen. Doch sie finde es auch wichtig, dass man selber entscheiden könne, wie weit man sich optimieren möchte. «Ich zum Beispiel mag es, Muskel­kater zu haben und zu wissen, dass ich gearbeitet habe», so die Tänzerin. Und im Gegensatz zu einem Roboter findet sie es beim Menschen gut, dass er einen individuellen Geruch hat. Oder mit ihren Worten: «Super, dass der Mensch stinkt.»

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