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Vor Ort: Mathis Künzler, Sonja Riesen, Moritz Alfons, Marie Omlin, Ursula Stäubli, Jonathan Loosli und Dominique Jann (v. l. n. r.)© Roman Brunner

Schauplatz in der Hauptrolle

Die Berner Theatergruppe Vor Ort mischt seit zehn Jahren mit ihren abenteuerlichen Produktionen unter anderem den Wohlensee, ein leerstehendes Hochhaus oder die Rathausgasse auf. «Ortsassoziatives Theater», nennen sie es.

Angefangen hat die Reise von Vor Ort vor über zehn Jahren mit einer Anfrage des Schlachthaus Theater, für die Metzgergass-Chilbi ein kurzes, kindertaugliches Programm zu gestalten. Aus der Arbeit zur «Sage vom Schlachthaustier» resultierte das Kernteam von Vor Ort aus Dominique Jann, Sonja Riesen, Jonathan Loosli und Mathis Künzler. Seit rund einem Jahr ist die Choreografin Anna Blöchlinger fix mit an Bord. Seit diesem Moment verschrieben sich Vor Ort wilden bis grössen­wahnsinnigen Projekten. «In unseren Produktionen spielt der Schauplatz die Hauptrolle, wir verwenden dafür den Begriff ‹ortsassoziatives Theater›», wie Mathis Künzler sagt.

Rollen fürs Publikum

Auch in der zweiten Produktion war der Ort zentral: Auf dem alten Gaswerkareal, wo in den 80er-Jahren das Zaffaraya stationiert war, spielten sie «Neuland», ein Stück zum Thema Revolution. Oft wird in ihren Produktionen auch dem Publikum eine Rolle zuteil: In «Neuland» erhielten die Zuschauerinnen und Zuschauer während einer Demo-­Szene leere Protestschilder in die Hand gedrückt und wurden Teil der Revolution.

Behörden und Bedingungen

Im Jahr 2017 zeigten Vor Ort, die bereits an mehreren Weihnachtsmärchen von Konzert Theater Bern beteiligt waren, am Wohlensee das Stück «Moby Dick» – laut Künzler ein «Riesending». «Wir waren lange unsicher, ob wir das Projekt überhaupt stemmen können. Später standen dann Leute vor dem Eingang und versuchten ­Tickets zu ergattern, wie man es von grossen Konzerten kennt. Das ist in der freien Szene selten, es war ein magischer Sommer, als wären wir selbst auf hoher See», so Künzler. Die Gruppe stellte sich wilden Wetterbedingungen und Stolpersteinen seitens der Behörden, auf dem Wohlensee betraf dies den ­Vogelschutz oder die nautische Bewilligung für das zwölf Tonnen schwere Floss.

Doch auch der abenteuererprobten Gruppe machte Corona einen Strich durch die Rechnung: Das Stück von Timmermahn zum 10-Jahr-Jubiläum von Vor Ort, das letzten Frühling in der Heiteren Fahne zu sehen gewesen wäre, musste verschoben werden. An einer digitalen Form werde herumstudiert, doch bei der aktuellen Unsicherheit die Moral hochzuhalten, sei laut Künzler schwierig. «Ein Projekt mit einer Zensur im Kopf zu entwickeln, schlägt auf die künstlerische Muse.» Ebenfalls verschoben werden musste das fertig geprobte Weihnachtsstück «Momo», für Konzert Theater Bern.

Hoch hinaus und unterirdisch

In der Zwischenzeit hat das Kollektiv unter anderem einen Film zu ihrem Mammut-Projekt «Winterkrieg im Galgenfeld» geschnitten, den es nun auf seiner Website zu sehen gibt. Im Stück aus dem Jahr 2019 taumelte, tanzte und kreischte die Gruppe in Endzeitstimmung durch das leerstehende Hochhaus im Galgenfeld und das unterirdische Labyrinth, auf dem es gebaut ist. 

www.vorort.be

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