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Mag Drama: Regisseur Yves Lenoir.© Declic Chic
Nebia, Biel, Stadttheater Solothurn

«Oh! Quante volte!»

Belcanto von Bellini: Die tragische Liebegeschichte von Romeo und Julia bringt das TOBS mit der Oper «I Capuleti e i Montecchi» auf die Bühne. Regisseur Yves Lenoir setzt dabei auf eine «radikale Dramaturgie», sprich: Grosses Drama.

Veranstaltungsdaten

MI 26.01.2022 19.30
Wer meint, die tragische Liebesgeschichte um Romeo und Julia habe allein Shakespeare erfunden, irrt sich. Es existieren gar mehrere italienische Erzählungen aus dem frühen 16. Jahrhundert, in denen zwei Liebende aus verfeindeten Familien – namens Giulietta Capuleti und Romeo 
Montecchi – in Verona kurz nacheinander zu Tode kommen. Aus diesen Quellen, und nicht aus Shakespeares Drama, speist sich denn auch die Handlung der Oper «I Capuleti e i Montecchi», die der italienische Komponist Vincenzo Bellini im Jahr 1830 auf der Grundlage des Librettos von Felice Romani schuf.

«Bis zum Ende keine Hoffnung»

So gibt es in der Oper keine Balkonszene, kein romantisches Kennenlernen der beiden Liebenden. Und Romeo hat den Bruder Giuliettas bereits in der Vorgeschichte getötet. «In Bellinis Bühnenwerk sind die Figuren schon von Beginn an traumatisiert, und es gibt bis zum fatalen Ende keine Hoffnung», sagt der französische Regisseur Yves Lenoir, der die Oper am Theater Orchester Biel Solothurn inszeniert.
Angesichts dieser Umstände entschied sich Lenoir für eine «radikale Dramaturgie», die die «Grenzen des persönlichen Leidens und die Extreme der menschlichen Psyche» auslotet. Das schlichte Bühnenbild (Bruno de Lavenère) soll den Figuren einerseits Raum geben für deren «Seelenschreie», andererseits auch die Isolation darstellen, in der sich die Protagonisten gemäss Lenoir «permanenter Selbsttäuschung» hingeben: «Unfähig, sich der Realität und der Wahrheit zu stellen, leben die Figuren in einer Scheinwelt aus naiven Ideologien.» Doch das sei deren einzige Überlebensstrategie, und das mache sie gleichzeitig auch wieder menschlich, so der Regisseur.

Fragilste Seelenschichten

Für Lenoir sind die musikalischen Höhepunkte jene, in denen sich «die intimsten und fragilsten Schichten der Seele» offenbaren. Wie etwa in der berühmten Arie der Giulietta, «Oh! Quante volte», in der sie in weiten Belcanto-Kantilenen ihrer Sehnsucht nach Romeo Ausdruck gibt: «Mit 
welcher Leidenschaft erwarte ich dich und betrüge meinen Wunsch.» In den Rollen der beiden Liebenden singen und spielen die irische Sopranistin Aoife Gibney (Giulietta) und die bra­silianische Mezzosopranistin Josy Santos (Romeo).

Events zu diesem Artikel

Bühne

I CAPULETI E I MONTECCHI VINCENZO BELLINI

Die berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten setzt bei Bellini erst an, als sie sich bereits ihrem tragischen Ende nähert.  Stadttheater Solothurn, Solothurn 26.01.2022, 19.30

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