mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Markus Maria Enggist: «Ich höre ein aufgeregtes, vorfreudiges Kichern in den Wänden des Theaters.»© ZVG
Theater Matte, Bern

markus-maria.enggist@home

Markus Maria Enggist, Schauspieler, Singer-Songwriter, Leitungsmitglied Theater Matte Bern

«@home? Ja. Nicht nur. Aber meist. Doch die Arbeit, die durch Abbrüche, Verschiebungen und gleichzeitiger Vorbereitung auf die Spielzeit 2020/2021 des Theaters Matte vorhanden war, liess wenig Raum um den Lockdown «zu geniessen». Und dann noch das: Plötzlich ist vieles virtuell. Man sitzt da, blickt mit Knöpfen in den Ohren in einen Bildschirm, lächelt in die Kamera und hofft, sich genügend gut gekämmt zu haben. Die Eigenbetrachtung enthüllt neu entstandene Falten und die Notebook-Kamera zaubert ein leichtes Doppelkinn ins Gesicht. Gemeinheit! Doch immerhin: Ich kann meine lieben Kolleginnen und Kollegen sehen, mit ihnen reden, plaudern, planen, lachen und – natürlich – auch Sorgen austauschen. Alles virtuell. Zu Beginn durchaus spannend. Entdeckung neuer Möglichkeiten. Doch sehr rasch fehlt der direkte Augenkontakt, die kleinen und grossen körperlichen Reaktionen des Gegenübers. Vieles wird durch das jeweils gewählte Device kameratechnisch beschnitten. Und schon bald fehlt die Anspannung hinter der Bühne, kurz vor dem Auftritt, das Publikums-Murmeln im Saal. Bei meinen, zu Beginn des Lockdowns, seltenen Anwesenheiten im Theater Matte scheinen das Foyer, der Theatersaal, die Bühne traurig zu seufzen.

Gemeinsam mit meinem Freund und Bühnenbildner, Fredi Stettler, baue ich das Bühnenbild der abgebrochenen Matte-Inszenierung ab. Die Bühne ist leer. Verlassen. Verwaist.

Doch gleichzeitig stellt sich das Gefühl von Zukunft und Neuanfang ein. Es geht weiter. Es kommt die nächste Aufführung. Wann und wie steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Aber sie kommt. Sie muss kommen. Für alle Menschen auf und hinter der Bühne. Für alle Menschen, welche die Zuschauenden-Räume beleben.

Und siehe da. Die Zwangspause zahlt sich aus. Es darf viel früher als erwartet wieder gespielt werden. Mit Auflagen zwar, doch gespielt. Nun will alles sauber vorbereitet sein. Ein Von-heute-auf-morgen geht nicht. Es wird geplant, gebaut, gestrichen und ab Juli wieder intensiv geprobt. Und dann, am 5. September 2020, öffnet sich der Matte-Vorhang für die Uraufführung von «Die Maria und der Mohamed». Ich selbst stehe, gemeinsam mit Livia Franz, ab Oktober wieder mit unseren Theaterstücken für Kids auf der Matte-Bühne und in weiteren Theatersälen der Deutschschweiz. Im Februar darf ich in Dürrenmatts «Die Physiker» die Matte-Bretter betreten.

Das traurige Seufzen der Bühne und der weiteren Räume ist verstummt. Ich höre nun ein aufgeregtes, vorfreudiges Kichern in den Wänden des Theaters.

Und wenn ich mich im Spiegel betrachte, scheint mir auch das leichte Doppelkinn verschwunden zu sein. Die Falten bleiben. Aber dies ist irgendwie gar nicht so schlecht. So sehe ich das zumindest…»

www.enggist.at

www.theatermatte.ch

 

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden