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Umkreisen sich in einem Perpetuum mobile von Macht und Ohnmacht: Elisabeth und Maria Stuart. © Yoshiko Kusano
Stadttheater, Bern

Der Stachel im Thron

Schauspieldirektor Roger Vontobel bringt Schillers «Maria Stuart» ins Stadttheater. Sein erstes eigens für Bühnen Bern inszeniertes Stück um zwei starke Frauen und den Preis der Macht ist zwar mehr als 200 Jahre alt, aber aktuell wie eh und je.

Veranstaltungsdaten

MI 26.01.2022 19.30
SA 05.02.2022 19.30
DO 17.02.2022 19.30
FR 04.03.2022 19.30
SA 19.03.2022 19.30
DO 31.03.2022 19.30
MI 06.04.2022 19.30

Er glaube eben an die Kraft der Klassiker, antwortet Schauspieldirektor Roger Vontobel auf die Frage, warum er wieder auf Schiller zurückgreift. Dessen «Don Carlos» setzte er bereits 2010 in Dresden um, für seine erste Inszenierung bei Bühnen Bern wählte er nun «Maria Stuart». Darin verhandelt wird der Preis der königlichen Macht ebenso wie die Frage, wem oder besser wie zu trauen ist; zumal dann, wenn Wahrheit mehr von Agenden und Eigeninteressen abhängt, als dass sie sich objektiv ergünden liesse. «Fragen von Lobbyismus und Einflussnahme stellen sich ja auch heute in der Politik in Bern täglich.» Das Stadttheater sei nur einen Steinwurf vom Bundeshaus entfernt. «Mich fasziniert, wie direkt Schillers Stoff uns heute noch anspricht», sagt Vontobel, der seit dieser Spielsaison das Schauspiel von Bühnen Bern leitet.

«Politthriller und Charakterstudie»

Vor allem aber gefällt ihm, dass das Stück ganz auf zwei Frauen fokussiert, zwei Königinnen, Elisabeth und Maria Stuart, in einer sonst durch und durch patriarchalen Welt. Auch dies biete Anknüpfungspunkte an die Gegenwart, an weibliche Lebensentwürfe heute: «‹Maria Stuart› ist Politthriller und Charakterstudie in einem.» Die Parallelen zur Gegenwart deutet Vontobel aber im Stück höchstens an. «Ich will keine Überfrachtung des Stücks, ich vertraue da ganz auf den Originaltext.» Bei der Umsetzung blieb Vontobel deshalb ziemlich eng an Schillers Urform und Sprache. «Ich bewundere die Präzision seiner Dialoge und wie es ihm gelingt, Charaktere zum Leben zu bringen.» Abstrakt und reduziert modern hingegen ist das Bühnenbild, historisch angelehnt, aber verfremdet sind die Kostüme. Das Stück spielt in zwei Räumen: Palast und Gefängnis sind angedeutet, was auch die Nähe von Macht und Ohnmacht zeigt, ein Perpetuum mobile, in dem die beiden Frauen beständig umeinander kreisen.

Jungfräuliche Regentin mit Halskrause

Die eine, Elisabeth, Königin von England, mächtigste Monarchin der damaligen Welt, ist eine Frau voller Kontrolle. Während 45 Jahren wird sie, Zeitgenossin Shakespeares, England als «jungfräuliche Regentin» mit enger Halskrause führen und prägen. Nur Victoria und Elisabeth II. werden Jahrhunderte später länger das Szepter halten. Und doch ist da ein Stachel, der Elisabeths Thron durchbohrt: Maria Stuart, katholische Königin von Schottland, früh verwitwet, mehrfach verheiratet, von Männern umworben. An ihrem eigenen Hof durch politische Ränkespiele in Ungnade gefallen – sie soll an der Ermordung ihres Gatten beteiligt gewesen sein – , flieht sie nach England. Ein schwieriges, letztlich fatales Exil, denn die schottische Regentin hält sich selber für die legitime Erbin der englischen Krone und fordert nichts weniger als diese für sich selbst.

Sakrileg Königinnenmord

«Maria Stuart ist die Furie meines Lebens», sagt Elisabeth deshalb folgerichtig im Spiel. Aus Angst, den Thron zu verlieren, hält sie Maria Stuart gefangen – und unterschreibt am Ende das Todesurteil, nachdem alle anderen Mittel, die stolze Gegnerin zum Verzicht zu bewegen, scheitern. «Der 
Königinnenmord, ein ungeheuerliches Sakrileg in jener Ära, und für Elisabeth der tragischste Entscheid ihres Lebens und ihrer Regentschaft», so Vontobel. Denn die Palette an Gefühlen zwischen den beiden Frauen ist breit ge­fächert: Da ist auch gegenseitige Bewunderung, Anziehung, Neid, Verantwortungsgefühl und Mitleid. Dagegen nimmt sich die opulente Netflix-Serie «The Crown», die das Drama der Royals im 20. Jahrhundert auffächert und dabei auch die ambivalente Beziehung der königlichen Schwestern Elisabeth und Princess Margret durchleuchtet, geradezu harmlos aus: «Mich interessiert die komplexe, gegensätzliche Psychologie der zwei, ihr Zerrissensein in diesen Machtstrukturen.»Die Rolle der Maria Stuart verkörpert Yohanna Schwertfeger, die Vontobel vom Wiener Burgtheater und der gemeinsamen Zeit am Staatsschauspiel Dresden kennt und nach Bern geholt hat. Schwertfeger besetzte schon in «Rose Bernd» die Hauptrolle. Isabelle Menke, die Elisabeth I. darstellt, kommt vom Zürcher Schauspielhaus nach Bern ins neue Ensemble, zurzeit ist sie auch im Stück «Tuntschi» zu sehen. Einen Gastauftritt hat der dänische Darsteller Olaf Johannessen, der bereits in Bochum unter der Regie Vontobels spielte. Er tritt als Graf von Leicester auf, der als Liebhaber von Elisabeth und verliebt in Maria Stuart zwischen den beiden Frauen steht.

Brandneuer Klassiker

Auch Regisseur Vontobel ist es unmöglich, Partei für eine zu ergreifen: «Beide nehmen für sich ein, beide haben auch abstossende Seiten.» Schiller zeige damit die Komplexität von Wahrheit, oder besser: «Wahr­heiten». Ein brandneuer Klassiker eben.

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