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Ja nicht aus dem Rahmen fallen: Wiltrud Schreiner und Gilles Tschudi in «Das Haus».© Severin Nowacki
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

Kein Neuanstrich, bitte!

Mit der bissig vielschichtigen Komödie «Das Haus» 
läutet Regisseurin Dora Schneider die 25. Spielsaison am ­Theater an der Effingerstrasse ein.

Es ist der Tag des Notartermins, das Haus ist offiziell überschrieben. Das Ehepaar Rotemund hatte lange gesucht und freut sich nun darüber, im jungen Ehepaar Lindner die idealen Nachfolger gefunden zu haben: Sympathisch, mit guten Jobs und kurz vor der Familiengründung. Feierlich wird auf die Übergabe angestossen. Während die Unterhaltungen erst leicht dahinplätschern, sorgt eine Aussage Moritz Lindners über die geplante Farbe der Hauswände bei den Rotemunds für Irritation. Eine scheinbar harmlose Bemerkung, die zwischen den Paaren eine Dynamik in Gang bringt, die es in sich hat.

Aufschub als Luxus

Ursprünglich war die Premiere der Schweizer Erstaufführung von «Das Haus», einer Komödie des New Yorker Dramatikers Brian Parks, vor einem Jahr geplant, erzählt Dora Schneider. Die freischaffende Regisseurin lebt in Wien und inszenierte seit ihrem Regiestudium am Max Reinhardt Seminar zahlreiche Stücke in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Stattdessen eröffnete Schneider die Saison 2020 mit «Start. Dramatische Stadtexpeditionen»: Aufführungen, die Corona-tauglich unter freiem Himmel an zahlreichen Plätzen in Bern stattfanden.

Die Verschiebung bot die Möglichkeit, noch intensiver in den Stoff des Stücks einzutauchen. «Ein ungeplanter Luxus», sagt sie.

Witzig, bissig, tiefgründig

Die rasanten, pointenreichen und in schwarzen Humor getränkten Dialoge in «Das Haus» erinnern an jene im Theaterstück «Der Gott des Gemetzels» (Yasmina Reza, 2006, von Roman Polanski 2011 verfilmt), in dem zwei Elternpaare nach der Handgreiflichkeit ihrer Kinder zusammenkommen, um zivilisiert über den Vorfall zu sprechen, was aber komplett ausartet. Schneider inszeniert das Stück in der Art eines Kammerspiels zweier Ehepaare (gespielt von Gilles Tschudi, Wiltrud Schreiner, Tülin Pektas und David Fuchs), komödiantisch auf der einen Seite und gnadenlos entstellend auf der anderen Seite: Fungierte das Haus, der Familienbesitz der Rotemunds lange als Fixpunkt und Garant ihres bürgerlichen Lebens, droht sich dieses nun zu verändern oder gar zu verschwinden.

Am Ende des Abends ist nichts mehr wie es war. Die Beziehungen der Paare wurden kräftig durchgerüttelt und auch das eigene Selbstbild der Protagonistinnen will nicht mehr recht passen.

 

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