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Im Stück «Gott» führt der Ethikrat eine kontroverse Diskussion über Sterbehilfe.© Luca Guadagnini
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

«Geschenke darf man zurückgeben»

Das Theater an der Effingerstrasse bringt Ferdinand von Schirachs «Gott» zur Schweizer Erstaufführung. Das Sterbehilfestück geht auch dem Produktionsteam nahe.

Hat der Mensch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Um diese Frage dreht sich das Bühnenstück «Gott» (2020), verfasst vom deutschen Juristen und Schriftsteller Ferdinand von Schirach. In Sachen Beihilfe zum Suizid ist die Schweiz Pionierin, «going to Switzerland» ist ein stehender Begriff, bereits seit 1985 begleitet «Exit» Sterbewillige. Die ethische Debatte darüber ist aber nach wie vor in vollem Gang.

«Gott» behandelt den fiktiven Fall des pensionierten Architekten Richard Gärtner. Nach dem Tod seiner Frau beschliesst der körperlich gesunde 78-Jährige, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Herr Gärtner will nicht mehr

Deshalb wendet er sich an die Behörden und bittet um die Herausgabe eines todbringenden Medikaments. Seine Anfrage wird abgelehnt. Und so gelangt Gärtners Anliegen vor den Ethikrat, wo es von seinem Anwalt, medizinischen Expert*innen und einem Geistlichen diskutiert wird.

«Das Leben ist Gottes Geschenk», ist der Bischof überzeugt. «Geschenke darf man zurückgeben», entgegnet der Anwalt. Am Theater an der Effingerstrasse kommt es zur Schweizer Erstaufführung des Stücks, das in Koproduktion mit den Vereinigten Bühnen Bozen entwickelt wurde. Am Regiepult steht die deutsche Regisseurin Bettina Bruinier. In Deutschland ist der Weg für die Legalisierung der Beihilfe zum Suizid erst seit 2020 frei, ein halbes Jahr darauf wurde «Gott» zeitgleich in Berlin und Düsseldorf uraufgeführt. Das Stück landete damit mitten in einer landesweite Debatte, mittlerweile wurde es auch verfilmt.

Respekt vor dem Leben

«Den Schweizer*innen ist die Thematik des assistierten Suizids seit längerem vertraut», erzählt die in Erlangen geborene Schauspielerin Kornelia 
Lüdorff, die in der Berner Inszenierung die Rolle von Doktor Sperling, einer medizinischen Sachverständigen, spielt: «Zu Beginn der Produktion fand ich den Gedanken selbst sehr ungemütlich. Da war zu viel Respekt vor dem Leben.» Nicht nur auf der Bühne, auch neben der Probenarbeit beschäftigte sich das Produktionsteam mit dem Thema. Es trat mit einem Theologen und einer Pflegefachperson der Palliative Care in Kontakt. Ihre Meinung bezüglich Sterbehilfe habe sich seither verändert, erklärt die Schauspielerin. «Bei einem Sterbewunsch gibt es unglaublich viele Faktoren zu beachten.»

Im Kontrast zu den schwierigen Fragen steht das schlichte Bühnenbild von Ayse Gülsüm Özel, welches mit poetischen Projektionen aufgebrochen wird. Und wie bereits bei von Schirachs Bühnenerstling «Terror» wird es zuletzt das Publikum sein, welches über Richard Gärtners Wunsch entscheidet.

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