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«Alles muss sitzen»: Nanny Friebel ist freudig und nervös zugleich.© Thomas Rausch
Bühnen Bern, Stadttheater

Einstand mit Goldregen

Die Schauspielstudentin Nanny Friebel debütiert im Stück «Rose Bernd» bei Bühnen Bern. Über ihre Träume, die Zusammenarbeit mit dem neuen Schauspieldirektor 
Roger Vontobel – und eine Regieanweisung, die es in sich hatte.

Veranstaltungsdaten

SO 17.10.2021 16.00
DO 21.10.2021 19.30
DO 16.12.2021 19.30
FR 18.02.2022 19.30
SO 20.02.2022 18.00
SA 26.02.2022 19.30
«Bleibe in Schockstarre» – dies war für Nanny Friebel die schwierigste Regieanweisung, die sie während der Proben von Roger Vontobel erhielt. Im Stück «Rose Bernd» von Gerhart Hauptmann aus dem Jahr 1903 spielt sie die Rolle der jüngeren Schwester der Titelheldin Rose, welche Opfer der gesellschaftlichen Umstände wird: Ein uneheliches Kind im Bauch, einem anderen Mann versprochen, von noch einem anderen Mann vergewaltigt, gerät Rose in eine unmögliche Lage. Sie treibt das Kind ab, Kindsmord nannte man das damals – und büsst dafür, während das Drama für die Männer in ihrem Umfeld ohne Folgen bleibt.

Nanny, zurückgenommen

Mit «Rose Bernd», einer Übernahme vom Schauspiel Bochum, feiern nicht nur Schauspieldirektor Roger Vontobel und zwei neue Ensemblemitglieder ihren Einstand bei Bühnen Bern (BB) – auch Nanny Friebel tritt zum ersten Mal im Stadttheater auf. Die 23-Jährige ist im letzten Jahr ihres BA Theater an der Hochschule der Künste Bern, das halbjährige Engagement bei BB ist Teil des Studiums. Die Rolle sei zwar klein, sie habe nicht viel Sprechtext, «aber dieses junge Kind zu spielen, das zur Untätigkeit verdammt ist, seine Schwester nicht vor dem Untergang bewahren kann, ist schauspielerisch eine Herausforderung», erzählt sie, «da muss ich die Nanny stark zurücknehmen.»

In Bern geboren und aufgewachsen, kriegte sie von Mutter Franka Friebel, Chorsängerin im Stadtteater Bern, die Liebe zur Musik und zum Musischen mit – und das Talent. Seit Kind spielt sie Klavier und vor allem Geige, viele Jahre auch im Jugendsymphonieorchester. Eine Weile überlegte sie, Musikerin zu werden, doch habe sie zu wenig in die Technik investiert, meint sie: «Ich spielte rein emotional.» Zudem: der Gedanke, Solistin zu sein, habe ihr nicht behagt, eigentlich sei sie ein eher schüchterner Mensch.

Aber wie geht das mit ihrem Schauspiel zusammen, einer Kunst im Scheinwerferlicht? Sehr gut, findet sie, «ich kann mich ausdrücken, aber immer im abgesteckten Rahmen einer Rolle. Mich in eine Figur hineinzuversetzen, gibt mir innerlich eine Freiheit. Ich kann etwas von mir zeigen, und doch fühle ich mich geschützt.»

Mit 17 das erste Vorsprechen

Sie interessiert sich dabei nicht zuletzt auch für Rollen, die sperrig sind, die sich ihr entziehen. Eine Faszination für Bösewichte, Mephisto etwa, habe sie im Laufe ihrer Ausbildung entwickelt: Was ist dieser Figur passiert, wo sind ihre guten Seiten versteckt? Sie mag den feinen Schalk des teuflischen Magiers: «Ich erarbeitete an der HKB einen Monolog.»

Das Schauspiel entdeckte sie während ihrer Gymnasialzeit in Hofwil. Bereits mit 17 setzte sie sich mit Freundinnen, die ebenfalls auf der Bühne stehen wollten, in den Zug, um in Leipzig und Hamburg vorzusprechen, bereit, die Schule sein zu lassen. «Total naiv war das, ich hatte ja keine Ahnung, was mich erwartete», sagt Nanny und lacht, «ich habe mich am Abend zuvor jeweils erstmals mit dem Text auseinandergesetzt.»

Sie räuspert sich und wird wieder ernst, es sei eine wichtige Erfahrung gewesen: «Ich merkte, ich bin noch nicht an dem Punkt». Demütig sei sie heimgekehrt – und doch mit der Überzeugung, diesen Weg weiterzugehen. «Zu sehen, wie intensiv und präsent andere bei den Auditions ihre Rollen interpretierten, hat es mir angetan.»

Der Traum vom Kellertheater

Aufs Vorsprechen fürs Studium an der HKB Bern bereitete sie sich dann ein halbes Jahr vor. Sie wählte dazu die Figur von Agnès aus der Molière-Komödie «Die Schule der Frauen». Ein Bauernmädchen, das von einem reichen Mann, isoliert von der Aussenwelt, zur perfekten Ehefrau erzogen werden soll. «Ich suchte nach Wegen, mich in dieses Mädchen hineinversetzen zu können und ihre Stärke zu finden.» So reiste sie für die Rollenvorbereitung nach Italien. «Es regnete in Strömen, ich sass im AirBnB-Zimmer – mit Agnès eingesperrt und konnte weder mir noch ihr entfliehen.» Sie überzeugte bei der dreitägigen Aufnahmeprüfung, die in ihrem Jahrgang nur zehn Studierende ausbildete.

Drei Jahre ist das nun her, Friebel arbeitete seither an der Sprache, am Improvisieren, an der Präsenz auf der Bühne. Gerne würde sie nach der Schauspielschule Teil des Ensembles eines grossen Hauses werden «in Bern, aber gerne auch mal anderswo, wie Berlin oder Hamburg.» Sie träumt davon, in ferner Zukunft in der freien Szene zu arbeiten. «Selber Regie zu führen oder auf der Bühne zu stehen, ein Theater zu gründen, am liebsten ein Kellertheater, so wie in der unteren Altstadt.»

Doch vorerst probt sie für ihren ersten Auftritt mit dem Ensemble von Bühnen Bern. Seit Anfang August laufen die Vorbereitungen fürs Stück, vier Wochen dauern sie insgesamt. Nanny Friebel ist beeindruckt von der präzisen Arbeitsweise von Regisseur Vontobel, der ihr auch Raum für Inputs liess. Als sie ihm erzählte, dass sie Geige spiele, baute er kurzerhand ein Geigenspiel ins Stück mit ein. Auch das Tempo und die Gewissenhaftigkeit der Schauspieler*innen fasziniert sie: «Schon bei der ersten Textlesung waren alle ganz bei ihren Figuren. Es war wie ein Hörspiel.» Da sie selber nur eine kleine Rolle habe und relativ viele Wartezeiten, ermögliche ihr, die erfahreneren Kolleg*innen bei der Arbeit zu beobachten. Die Atmosphäre sei umgänglich, die Lust und der professionelle Ehrgeiz, gemeinsam ein gutes Stück zu erarbeiten, stehe im Vordergrund. Oft gehe man nach den Proben aber auch noch auf ein Bier in die Vierte Wand. «Das Ensemble ist ja fast ganz neu, alle Beteiligten lernen einander erst kennen.»

In wenigen Tagen steht die Premiere von «Rose Bernd» bevor. Freudig und nervös zugleich sei sie, sagt Nanny Friebel: «Alles muss sitzen.» Da sie nur wenige Sätze spreche, gebe es kaum Zeit fürs «Warmspielen». Die Sprache des Stücks basiert auf dem Schlesischen, einem Dialekt, der heute nur noch vereinzelt gesprochen wird.

Sie gibt eine Kostprobe davon: « Voater, woas is denn, hoat sie ja gesogt?» Ansonsten setzt die Inszenierung des Stücks, vom deutschen Feuilleton für den empathischen Blick des Regisseurs auf die Protagonistin Rose gelobt, auf zeitlose Kostüme und ein auf die Figuren zentriertes Bühnenbild. «Und immer rieselt Goldregen auf 
die Bühne.» Ein schöner Einstand auf den Bühnen Bern für Nanny Friebel, Roger Vontobel und das neue Ensemble.

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