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Sie gibt Göttin Freya ihre Stimme: Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanashana. © Gavin Smart
Bühnen Bern, Stadttheater

«Du musst die Musik wirklich fühlen»

«Das Rheingold» kommt in moderner Inszenierung auf die Bühnen Bern: Mit dabei ist Sopranistin Masabane Cecilia Rangwanasha, die erstmals Wagners Opus summum singt.

«Es war überwältigend, die Oper erwachte wirklich zum Leben». Masabane Cecilia Rangwanasha kommt gerade von den Proben. Eben haben die Sänger*innen zum ersten Mal gemeinsam mit den mehr als hundert Musiker*innen des Orchesters geprobt. Sie freue sich total auf die Premiere, sagt sie. «Es ist mein erster Wagner.» Zwar hat sie schon einzelne Arien gesungen, aber «Das Rheingold» ist ihre erste ganze Wagneroper.
Die in Südafrika geborene Sopranistin, seit dieser Spielsaison im 
Opernensemble von Bühnen Bern, ist 
zurzeit auch in der Verdi-Oper «Don Carlos» als Elisabeth zu erleben. In «Das Rheingold» gibt sie nun den Part von Freya, der schönen Göttin der 
Liebe und des ewigen Lebens. Eine zentrale weibliche Rolle im Auftakt des «Ring des Nibelungen», dem 
«Die Walküre», «Siegfried» und «Die Götterdämmerung» folgen.

Oper muss berühren

«Das Rheingold» verhandelt die grundlegenden Konflikte des vierteiligen Opernzyklus. Götter, ein Zwerg, Riesen tauchen auf, und ein Ring aus Gold, der Begehrlichkeiten weckt. Die begehrte Freya, Schwägerin des Göttervaters Wotan, wird zum Pfand unschöner Händel – der ewige Konflikt zwischen Liebe und Macht kommt in Gang. Die Berner Inszenierung ist modern, die Kostüme spielen auf die Gegenwart an. «Wir zeigen echte Menschen auf der Bühne, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. Die Inszenierung muss einen berühren.»
Regie führt die junge polnische Regisseurin Ewelina Marciniak, die zum ersten Mal eine Oper inszeniert, am Pult steht Nicholas Carter, der das erste Mal die Tetralogie dirigiert.

Dunkle Bässe, die anschwellen

«Der Ring der Nibelungen» setzt ganz auf das Erleben der Handlung und die Überwältigung des Publikums. Die gut 700 Seiten umfassende Textfassung schrieb Wagner vorwiegend im Zürcher Exil, das er nach seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand aufsuchte. Darin verarbeitete er die politischen Wirren seiner Zeit mit Motiven aus der nordischen Sagenwelt – und schuf ein Gesamtkunstwerk, das die Oper revolutionierte. Wagner vergrösserte das Orchester, scheute vor Dissonanzen nicht zurück, entwickelte seine typische Harmonik.
An vier aufeinanderfolgenden Tagen wurde der vollendete Opernzyklus 1876 im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt, an die 14 Stunden dauert das Opus summum, gut zweieinhalb Stunden «Das Rheingold», das mit den dunklen Tönen der Kontrabässe beginnt, die 
die Tiefenströmung des Rheins heraufbeschwören. In epischen 136 Takten in Es-Dur schwillt die Musik an, so wie ein Fluss an wogender Kraft gewinnt: Das Götterdrama hebt an.

Stimme gegen Orchester

Masabane Cecilia Rangwanasha spricht mit Respekt über ihre Rolle als Freya. Wagner mache es einem nicht einfach: Während Komponisten wie Verdi mit viel Belcanto arbeiteten, einem Opernstil, in dem das Orchester 
sich zurücknehme, müsse man beim 
Musikdramatiker Wagner mit der 
Mittelstimme gegen ein gigantisches Orchester ankommen. «An Wagner sollte man sich nicht zu früh wagen, er ist für reife Sänger*innen», meint sie.
An Erfahrung mangelt es der 27-Jährigen ebenso wenig wie an Talent. Vor ihrem Berner Engagement sang die vielfach Ausgezeichnete zwei Jahre am 
Royal Opera House Covent Garden in London, einer der renommiertesten Opern der Welt, 2020 stand sie für die 30-Jahr-Feierlichkeiten der Helikon-
Oper in Moskau auf der Bühne. Ihre Stimme gilt als technisch vollendet und emotional kraftvoll. «Als Sängerin musst du die Musik fühlen», sagt sie, «nur dann kannst du das Publikum 
mitreissen.» Masabane Cecilia Rangwanasha dürfte das gelingen.

 

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